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Unterwössen | Künstler und Dorforiginal Anton “Toni” Blank wurde am 16.11.2010 70 Jahre

Autor +Ludwig Flug
Nov 20th, 2010 | by | Rubrik: Allgemein, Nachlese, Unterwössen
Bild des Unterwössner Künstlers Anton Blank

Das ist das eine Bild des Unterwössner Künstlers Anton Blank, dass die frühere Baustellenrealität beschreibt. Daneben gibt es ein zweites, das heutigen Baustellenalltag beschreibt, mit Getränkedose statt Flasche, Arbeitshandschuh statt Pflaster und mit der Bildzeitung.

Unterwössen. Er sieht anders, er denkt anders und doch gehört er dazu. Ohne ihn wäre das Achental deutlich farbloser, in den Wohnungen, Gebäuden, draußen in den Dörfern, aber auch an den Stammtischen. Die Rede ist vom Unterwössner Künstler und man kann sagen Dorforiginal Anton Blank, dem Toni. Der wird am heutigen Dienstag 70 Jahre.

Tatsächlich geht der Toni mit anderen Augen durch die Welt, als wir, seine Nachbarn. Er sieht Farben anders, überlegt, wie man so etwas zusammenmischen könne. Er prägt sich Perspektiven ein und er schaut den Menschen nicht so sehr auf den Mund, sondern eher in den Kopf und auf den Charakter, um das alles dann in seinen Bildern wieder zu geben.

Das war ihm sicher nicht in die Wiege gelegt, als er in 1940 als Sohn eines Bauernknechtes und einer Hausfrau geboren wurde. Er wuchs zusammen mit seiner heute an der Nordseeküste lebenden Schwester in kleinen Verhältnissen auf und besuchte die Volksschule in Unterwössen – wie damals üblich mit ca. 50 Schülern unterschiedlicher Jahrgangsstufen in einem Klassenraum. Er war eher ein Lausbub und tat sich schwer, solange es nicht ums Malen und Zeichnen ging. Außerdem mochte er Gedichte, die langen, schweren. Die “Bürgschaft” und die “Glocke” kann er heute noch frei rezitieren.

Nach dem Volksschulabschluss wurde er Kunstemaillierer in Reit im Winkl und schloss das mit dem Gesellenbrief ab. Als sein Lehrherr den Betrieb aus Altergründen aufgab, emaillierte er zukünftig in eigener Werkstatt zu Haus. Dort zeichnete sich bereits ab, dass das Kaufmännische nicht zu seinem Geschick gehört. Er hatte immer gut zu tun, fand nie Zeit für seine Malerei und musste doch immer jeden Pfennig herum drehen.

Im Alter von 30 Jahren packte er allen Mut zusammen und verlegte sich zukünftig auf die Malerei. Eine erste Ausstellung im Unterwössner Pfarrgemeindesaal blieb hinter sämtlichen Verkaufserwartungen zurück, was dem Toni stank. Und als dann im Anschluss an die Ausstellung doch noch ein Kaufinteressent zwei Bilder zu veritablem Preis erwerben wollte, war der Toni – er hatte gerade etwas Geld auf der Tasche – immer noch sauer und verkaufte nicht. Das sprach sich herum, verschaffte ihm Respekt. Als sich darauf ein schwerreicher Kunstliebhaber herausgefordert sah und einen eigentlich für Toni unglaublichen Betrag für diese Bilder zahlen wollte, blieb der stur. Beide Bilder, die vom Pessimisten und vom Optimisten, besitzt er heute noch.

Unterwössner Künstler und Dorforiginal, der Anton "Toni" Blank

Unterwössner Künstler und Dorforiginal, der Anton "Toni" Blank

Ähnlich dickköpfig nahm der Toni nun seinen Weg. Die Aufträge mehrten sich dennoch. Und der Toni malte. Sommertags meist Bilder in freier Landschaft und Natur. Seine Kunst ermöglichte ihm bis heute Reisen über die Alpen oder nach Kroatien. Immer brachte er neue Bilder mit, hatte wieder etwas anderes versucht, wieder andere Stimmungen und andere Momente eingefangen. Die Aquarellmalerei war ihm da die Liebste. Im Winter verlegte er sich auf Atelierarbeiten. Andere Techniken wie aufwändige Hinterglasmalereien, Wirtshausszenen auf verschiedenen Materialien und bayerischer Alltag kam dabei heraus. Im Alltag folgten dann auch Auftragsarbeiten. Seine Hausmalereien brachten Farbe ins Tal. Da verkünden Sie überall im Achental am Haus des einen dessen Zunft, am anderen Haus dessen Geschichte oder den Zweck des Gebäudes. Aber auch alte Schmuckschriften für Häuser, Werbeanlagen und Ankündigungen, das Logo der Musikschule entstammen seiner Feder.

Und viel seiner Farbe findet sich eben auch an den Stammtischen. Der Toni steuert gern Anekdoten aus einem langen Achentalleben bei und ist ein leidenschaftlicher, grandioser Erzähler. Er streitet gern – ebenso leidenschaftlich -, wenn es was zu streiten gibt, und trägt niemandem etwas nach.

Doch damit nicht genug, der Toni ist auch Chorsänger. Er liebt die klassische Musik vor allem Bach. Der Toni ist auch mit Leidenschaft Theaterer. Angefangen als Mitschauspieler, dann Gestalter des Bühnenbildes, heute Regisseur und Hauptdarsteller prägt er bis heute das Wössner Bauerntheater. Am Herzen liegen ihm die alten bayrischen Stücke, die bayrische Sprache der Region.

Und Zeit für sein Hobby, das Fischen findet er alleweil auch noch.

Ich habe mir schon überlegt, was aus dem Toni geworden wäre, hätte er in früher Jugend die Möglichkeit gehabt, Kunst zu studieren. Doch den Gedanken habe ich schnell wieder verworfen, denn wie alle Wössner haben wir den Toni lieber im Tal, als auf den Ausstellungen in der Welt. Vielleicht hat er nicht alles erreicht, was er sich ins einem Leben vorgenommen hat. Ja, nicht einmal das zu seinem 50. Geburtstag vollmundig abgegebene Versprechen, nun nach 50 Jahren Junggesellenzeit werde er auch den Rest seines Lebens nicht mehr heiraten, hat er gehalten. Das Versprechen hat ihm die junge Maria kurz darauf zunichte gemacht, eine Frau, ebenso kunstbegeistert wie er. Und angesichts der aus der Ehe hervorgegangenen nun auch schon erwachsenen Kinder Cäcilia und Felix hat ihn das auch nicht gereut. Soll er dem Achental ruhig noch viele Jahre erhalten bleiben, unser Toni Blank. Das wünschen die Wössner ihm und sich selbst von ganzem Herzen.

Anton Blank, leidenschaftlicher Theaterspieler und -regisseur

Anton Blank, leidenschaftlicher Theaterspieler und -regisseur (mit Claudia Schweinöster)

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Ein Kommentar
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  1. Hallo,
    heute habe ich den Bericht vom ” Toni Blank” gelesen und mich darüber sehr gefreut. Wie die Zeit vergeht! Ich kenne Toni schon aus meiner Kinderzeit, da ich mit mienen Eltern schon bei seiner Mutter Therese in der Sommerfrische war. Das sind nun schon 50 Jahre her! Die Bilder der Optimist und der Pessimist sind mir bekannt. Diese hat er schon als junger Mann gemalt. Ich besitze noch verschiedene Emailearbeiten von ihm und halte sie in Ehren.
    Herzliche Grüße aus Norddeutschland

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