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Siegsdorf | Konzert des Siegsdorfer Pianisten Michael Alf

Autor +Ludwig Flug
Nov 14th, 2011 | by | Rubrik: Chiemgau, Nachlese
Pianist Michael Alf Siegsdorf 2011

Pianist Michael Alf, Siegsdorf 2011

Siegsdorf. Einmal im Jahr macht der Siegsdorfer Pianist Michael Alf seiner Heimatgemeinde seine Aufwartung. Dann ist es nicht die große Bühne beim Boogie- und Jazzfestfestival, der vornehme Saal eines Schweizer Hotels oder das große Event eines Autoherstellers, dann ist es der Pfarrgemeindesaal in Siegsdorf. Dem Musiker Alf macht es erkennbar Spaß, sich dem heimischen Publikum zu zeigen, und das hat offensichtlich Freude an seinem Konzert.

Michael Alf setzt sich an den Flügel, der Fuß nimmt der Takt auf und ab geht es in den ersten Boogie Woogie. Ohne Einspielen, ohne Zögern fliegen die Finger über die Tasten. Immerhin hat er mit sechs Jahren das erste Mal am Klavier gesessen und Ende der achtziger Jahre in München Musik mit dem Hauptfach Klavier, Violine, Dirigieren und Tonsatz studiert. Die Zuschauer hatten ihre Freude, die unglaubliche Fingerfertigkeit, den variantenreichen Tonanschlag aus der Nähe mitzuerleben. Dabei spiegelt Alf Tonanschlag und Tonfolgen in der ganzen Körperhaltung, anderer Rhythmus bedingt wieder eine andere Körperspannung bis in den wechselnden Taktfuß.

Doch wirklich überwiegt das Hören das Schauen. Alf bringt gefühlvolle Anschläge, gut betonte Tonfolgen. Er spielt schnelle Eigenkompositionen oder deutlich von ihm überarbeitete Standards. Manchmal malt er mit den Tönen, wenn Alf zum Beispiel beim James-Bond-Titel mit seinem Piano die gleiche Stimmung erreicht, wie im Film das ganze Orchester. Allein wie er es schafft, die im Hintergrund auf ziehenden bedrohlichen Basstöne des Orchesters mit dem Klavier umzusetzen, zeigt sein auch kompositorisches Können..

Besonders eindrucksvoll wird das, als Michael Alf das Publikum mit einem Gast überrascht, seinem 17-jährigen Schüler Thomas Weilharter, der immerhin seit ca. acht Jahren seiner Pianoleidenschaft frönt. Der junge Mann hatte sich einen schwierigen Boogie Woogie ausgesucht und absolviert ihn schnell, fehlerfrei und schön. Folgerichtig  dankt das Publikum dem sympathischen jungen Mann mit kräftigen Applaus.

Aber ohne diese Leistung herabsetzen zu wollen, hatten die Zuhörer im Vergleich jetzt die Möglichkeit zu hören, wie die Musik des um viele Jahre erfahreneren Musikers Alf deutlich mehr Ausdrucksstärke durch mehr Gefühl und Tempotricks bietet. Alles Dinge, die Weilharter noch lernen kann.

Michael Alf steht für New Orleans Boogie, Blues, Ragtime, Jazz. Das Publikum nimmt er mit auf eine Reise durch diese Stilrichtungen. Das alles in einer Mischung mal langsamer, mal rasend schneller Stücke. Häufig bedient er sich bei den alten Meistern der ersten Boogietage, dann zum Beispiel bei Ray Charles. Mal sind es Standards wie „On the Sunny Side of the Street“ oder “Jambalaya”, mal weniger bekannte Werke. Zwischen den Stücken erläutert Alf deren Herkunft und Bedeutung. Dann wieder bringt er einen ganz eigenen Stil in Coverstücken wie in “Eleanor Rigby” der Beatles. Alf spielt aber auch völlige Eigenkompositionen wie sein einem verstorbene Siegsdorfer Pianisten gewidmetes “David”.

Teils aus persönlicher Bekanntschaft zu den Zuhörern teils aufgrund seiner sympathischen Art gewinnt Michael Alf schnell Kontakt zum Publikum. Bei zwei Blues-Brothers-Stücken liefert das den Chor dazu. Am Ende verlangt das Publikum energisch von Alf gerne gegebene Zugaben. Erst im Frühjahr wird der Künsterler wieder im heimischen Raum zu hören sein, dann mit dem Michael Alf Trio auf der Staudacher Musikbühne.

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