Sommer 2010 – Wetterfragen an Lorenz Plenk, Oberwössen
Jun 28th, 2010 | by lukk | Rubrik: Nachlese, UnterwössenOberwössen. Das Sommerwetter 2010 ist eine Plage. Uns Menschen, als sozialen Wesen, verschafft da die Kenntnis schon mal Linderung, dass Mitmenschen ähnliche Situationen erfolgreich durchlebt haben. Wer im regennassen Oberwössener Talkessel einem echten Sommer nachtrauert, der befragt deshalb den Oberwössner Lorenz Plenk zum Wetter. Der – lange Jahre Gemeinderat gewesen und heute Vorstand des Oberwössner Verkehrsvereins – hat es sich schon seit Jahren zum Hobby gemacht, alte Aufzeichnungen vom Wetter in Deutschland zu durchforschen.
Im Ergebnis bleibt: Wir hätten ihn besser nicht gefragt! Denn der weiß von 1816, dem damaligen Schneesommer oder Gespenstersommer. In den USA kennt man das Jahr unter der Bezeichnung “Achtzehnhundertzutodegefroren” („Eighteen hundred and frozen to death“).
1816 kam der große Regen. Vom 20. Mai bis Weihnachten regnete es jeden Tag. Andernorts betrachtet gab es in acht Sommermonaten insgesamt nur 20 Tage ohne Regen. Heu und Getreide konnten nicht eingefahren werden, Getreide verfaulte am Halm. Zahlreiche Flüsse wie der Rhein traten über die Ufer.
Die Folge der niedrigen Temperaturen und anhaltenden Regenfälle in Teilen Europas waren katastrophale Missernten. Am stärksten betroffen war das Gebiet unmittelbar nördlich der Alpen: Elsass, Deutschschweiz, Baden, Württemberg, eben Bayern und das österreichische Vorarlberg. Hier erreichte der Getreidepreis im Juni 1817 das Zweieinhalb- bis Dreifache des Niveaus von 1815. An einzelnen abgelegenen Orten wurde auch das Vierfache erreicht.
Die extrem schwierigen Lebensverhältnisse führten zu einer Typhusepidemie und die Versorgungsnot trieb viele, nach Amerika auszuwandern.
Ursache dieses Ausnahmesommers war ein Vulkanausbruch des Tambora auf der indonesischen Insel Sumbawa am 10. April des Vorjahres. Dessen gewaltige Explosion hatte enorme Aschemengen in die Atmosphäre geblasen, die in den Folgejahren zu einer kleinen Eiszeit führten.
Amüsanter ist da schon die Tatsache, dass junge europäische Dichter um den 28-jährigen Bestsellerautor Lord Byron in einem kleinen Ferienhaus am Genfer See vom schlechten Wetter eingeschlossen waren. Unter dem Eindruck der heftigen Gebirgswetter entwickelte sich dort ein kleiner Wettbewerb im Schreiben von Geistergeschichten, aus dem die Literaturgestalt Frankenstein, der künstliche Mensch, und die blutsaugenden Vampire hervorgingen.
Dank Lorenz Plenk wissen wir jetzt, dass es Menschen in Deutschland gab, die schon weit schlimmere Sommer überstanden haben, aber helfen, wirklich helfen tun uns solche Aussichten nicht. Dagegen hilft nur der nun angeblich Mittwoch zurückkommende Sonnenschein.





















































