Unterwössen | Gemeinderat | 25.10.2010
Okt 30th, 2010 | by lukk | Rubrik: Nachlese, Unterwössen10.000,-€-Zuschuss für das 100-jährige Jubiläum der Musikkapelle abgelehnt,
freiwilliger Zuschuss in Aussicht gestellt
Unterwössen. Als die ungefähr 15 Mitglieder der Musikapelle Wössen, die als Zuschauer der Gemeinderatssitzung beigewohnt hatten, den Sitzungssaal verließen, war ihren Mienen nichts zu entnehmen. Der Antrag der Musikkapelle auf eine Ausfallbürgschaft der Gemeinde in Höhe von 15.000,- € zur Absicherung von “Unvorhergesehenem” beim Fest zum 100-jährigem Jubiläum der Musikkapelle vom 5. bis 15 August 2011 war zwar mit zwei Gegenstimmen vom Gemeinderat angenommen worden, der gleichzeitige Zuschussantrag auf 10.000,- € zu dem Fest aber mit nur 3 Stimmen dafür aber 11 Gegenstimmen abgewiesen worden. Gemeinderatsmitglieder Manfred Höglauer (UWW) hatte an der Abstimmung als Vorstand in der Musikkapelle nicht teilgenommen.
Zuschussantrag, warum?
Musikkapelle und Gemeinderat hatten sich die Entscheidung nicht leicht gemacht und respektvoll das Für und Wider der Anträge abgewogen. Der Festleiter der Musikkapelle Hans Höglauer hatte die Gelegenheit erhalten, die Anträge im Gemeinderat zu erläutern. Er stellte heraus, dass ein hundertjähriges Jubiläum des Vereins ein großes Fest wert sei. Hundert Jahre Geschichte hätten viele Hochs und Tiefs durchlaufen und es sei den Vereinsgenerationen hoch anzurechnen, dass man bis heute zusammen gehalten habe. Zu feiern sei auch, weil der Verein über all diese Jahre immer für die beiden Ortsteile Unter- und Oberwössen gestanden habe und diese miteinander verbinde.
Vor 25 Jahren zum 75. Jubiläum hätte der Gemeinderat die Vereinsarbeit mit einem großen Vertrauensvorschuss gewürdigt. Er hätte dem Verein 15.000,- DM an die Hand gegeben mit der Auflage, mit diesem Geld nachhaltig zu wirtschaften und dem sei die Musikkapelle bis heute gerecht geworden. Kaum jemals habe die Musikkapelle die Gemeinde in Anspruch genommen, immer habe die Musikkapelle die Herausforderungen, darunter auch Investitionen in die Zukunft, selbst geschultert.
Bis heute sei es so, dass der Musikant für sein Gewand selbst verantwortlich sei und man sei stolz darauf auch keine Zahlungen an die Kapellmeister, vormals Andreas Bichler und jetzt Martin Nieß, zu zahlen. Die beiden erbrächten Ihre Leistungen ohne Aufwandsentschädigung, die sich in den meisten anderen Vereinen mit ca. 400,- bis 500,- € monatlich niederschlügen.
In 2008 als die Entscheidung für ein Jubiläumsfest gefallen und die Weichen gestellt worden seien habe man auch noch gehofft mit Veranstaltungen wie den Gartenfesten in 2008 und 2009 oder den Jahreskonzerten einen breiteren finanziellen Sockel für das Fest zu schaffen. Das sei aber nicht gelungen, weil die Gartenfeste unter dem Wetter zu leiden hatten, die großen Konzerte auch nicht den optimalen Zuspruch erfahren hatten. Die Musikkapelle habe jetzt alles zusammengekratzt, benötige aber einen Zuschuss für ein gelungenes großes Jubiläumsfest.
Es sei deshalb an der Zeit, dass die Gemeinde wie zum letzten Jubiläum das Vertrauen in die Musikkapelle und Ihre Mitglieder erneuere, den erheblichen Zuschuss leiste.
Nachbargemeinden
Auf die Frage des Gemeinderates Dr. Dieter Stein (FWG), inwieweit auch Nachbargemeinden in ähnlichen Fällen so hohe Zuschüsse und Bürgschaften für eigene Vereine gewähren, musste Bürgermeister Haslreiter (CSU) abwinken. Er habe erfahren, dass das nicht der Fall sei. Beim Gaufest in Grassau seien anstelle dessen, die Festwirte mit in die Verantwortung eingebunden worden, so dass sich das Veranstaltungsrisiko verteilt hätte. Auf Nachfrage von Simon Ager (CSU) konnte Festleiter Höglauer bestätigen, dass Festteile wie die großen Konzerte auswärtiger Kapellen an einen Veranstalter vergeben seien. So habe man die Risiken verringert.
Gleichbehanldung gefährdet
Ratsherr Anton Greimel (FWG) sah bei einem solchen Zuschuss keine Gleichbehandlung zu anderen Vereinen. Die würden regelmäßig vielleicht ein Zehntel der hier diskutierten Summe erhalten. Der Zuschuss zum 75-jährigen Jubiläum, an den er sich in der angesprochenen Höhe nicht erinnern könne, sei vor allem auch vor dem Hintergrund der damals vollen Gemeindekasse zu sehen. Die gäbe aber heute kaum noch etwas her. Da stünden erst einmal die Gemeindepflichtaufgaben an, ehe man so viel Geld in freiwillige Aufgaben der Gemeinden setzen könne. Gemeinderat Hans Wimmer (CSU) wandte sich gegen einen so pauschalen Zuschuss. Wenn man einen konkreten Finanzbedarf ausmache, könne man über diesen auch konkret sprechen. Solange aber wäre er für kostenlose Unterstützungen bei der Festarbeit z.B. durch den Bauhof und vielleicht auch für die Bürgschaft, nicht aber für so einen hohen Zuschuss. Wie auch alle anderen würdigte Dr. Stein (FWG) durchaus die Verdienste der Musikkapelle insbesondere in der Jugendarbeit. Auch vor diesem Hintergrund sei der Zuschussantrag aber zu hoch.
Musikkapellenleistungen
Gemeinderat Andreas Bichler (FWG), selbst viele Jahre Kapellmeister, hielt den Kollegen aber aus eigener Sachkenntnis entgegen, was im Einzelnen die Musikkapelle leiste. Allein jedes Standkonzert bedeute für die Musiker in der Summe 70 Arbeitsstunden für die Gemeinde und ihr touristisches Ansehen. Dazu kämen für jeden einzelnen die Kosten für Gewand, Proben, usw.. So viel Arbeit werde mit dem beantragten Zuschuss in keiner Weise bezahlt. Andere Vereine erhielten regelmäßige Zuwendungen, die Musikkapelle beantrage erst jetzt wieder nach 25 Jahren. Die Bedeutung der Musikkapelle für das touristische Angebot könne nicht zu hoch bewertet werden.
Bürgermeister Haslreiter hielt mit seiner hohen Meinung zur Arbeit der Musikkapelle genauswenig hinterm Berg. Das rechtfertige aber nicht einen so außergewöhnlich hohen Antrag. Auch er verlangte Gleichbehandlung der Vereine und Rücksicht auf die Gemeindekasse. Entgegen dem geschilderten Eindruck, die Gemeinde zehre bis heute allein vom damaligen Jubiläumszuschuss, seien die Verflechtungen immer da gewesen. Die Jugendarbeit der Musikkapelle profitiere unerhört und zustimmend vom Einsatz der Gemeinde in der Musikschule. Die Gemeinde unterstütze die Musikkapelle bei den Standkonzerten oder mit Probenraumzuschuss und bei Bedarf auch mit dem Bauhof. Auch die Sachleistungen zum Jubiläumsfest, angefangen von der Bauhofarbeit bis hin zu der Tourismusvermarktung des Festes in der Tourist-Info bis zum Besuch z.B. beim Tag der Betriebe unterstütze das Fest.
Geburtstagsgeschenk in Aussicht
Zweiter Bürgermeister Barthl Irlinger (OWG) meinte, er erkenne den Wert dieser Arbeit, aber hier gehe es nicht um eine Stundenlohnbezahlung. Der begehrte Betrag falle vor dem Hintergrund der Möglichkeiten der Gemeinde und unter Berücksichtigung der üblichen Leistungen an Vereine völlig aus dem Rahmen. Tatsächlich bestehe doch kein Anlass zur Sorge. Auch unaufgefordert hätte die Gemeinde im Rahmen Ihrer Möglichkeiten immer ein angemessenes Geschenk für so große Geburtstage und es gäbe keinen Anlass zu der Vermutung, dass dies hier anders werden würde.
Gemeinderätin Sonntag (FDP) sah zwar die Möglichkeit für eine Ausfallbürgschaft, sah die Gemeinde aber zu einem so hohen Zuschuss nicht in der Lage, erst recht, wenn man den sich in der Sitzung noch anschließenden Haushaltszwischenbericht noch nicht kenne.
In der Abstimmung bewahrheitete sich der Diskussionstrend, die Ausfallbürgschaft wurde gewährt, der Zuschussantrag insgesamt abgelehnt. Weil das von Irlinger avisierte Geburtstagsgeschenk für die Musikkapelle dadurch nicht berührt war, die Musiker auf diesem Weg also nach wie vor auf einen Gemeindezuschuss vertrauen dürfen, erhoben sich keine Unmutsäußerungen unter den Zuschauern.






















































