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Unterwössen | 125 Jahre Raiffeisenbank Unterwössen & Mitgliederversammlung der VR-Bank Rosenheim-Chiemsee in 2011

Autor +Ludwig Flug
Feb 21st, 2011 | by | Rubrik: Nachlese, Unterwössen
125 Jahre Raiffeisenbank Unterwössen

Freude bereitete die VR-Bank Rosenheim-Chiemsee e.G. zum 125-jährigen Jubiläum der Raiffeisenbank Unterwössen e.G., die zwischenzeitlich in die VR-Bank Rosenheim-Chiemsee aufgegangen ist: Für die Pfarrgemeinde St. Martin nahm Bernhard Greimel (links) eine Geldspende zur Innenrenovierung der Pfarrkirche St. Martin entgegen. Für ein für 2011 geplantes Klettergerüst auf dem Spielplatz Oberwössen ist mit einer Spende an Bürgermeister Hans Haslreiter (mittel links) ein Schritt getan. Daneben freut sich Schulrektor Otto Manzenberger über einen Scheck für den Schulförderverein. Die Gaben sind auch Ausdruck eines guten Geschäftsjahres 2010 in der Bank-Geschäftsstelle Unterwössen, auf das Geschäftsstellenleiter Paul Bauer (2. von rechts) im Jahresbericht zurück schaute. Der Unterwössner Hans Höglauer (2. von links), Bankvorstand der VR-Bank Rosenheim-Chiemsee e.G., geht im Juni des Jahres in den Vorruhestand. Er nutzte die Jubiläumsfeier auch, seinen Nachfolger Klaus Hatzel (rechts) vorzustellen.

Unterwössen. Vor 125 Jahren nahm die Raiffeisenbank Unterwössen als erste ihrer Art im Achental den Betrieb auf. Und auch wenn seit Ihrer Weiterentwicklung und jetzt Verschmelzung zur VR-Bank Rosenheim-Chiemsee e.G. von den Anfängen nicht mehr viel zu sehen ist, die ersten und dann vielen wichtigen Schritte in der Entwicklung gehören gefeiert. So dachte sich die VR-Bank und veranstaltete im voll besetzten Wössner Gemeindesaal im großen Rahmen einer Mitgliederversammlung mit Gästen diesen besonderen Jahrestag. Dazu konnte der heutige Geschäftsstellenleiter Paul Bauer neben vielen Weggefährten und ehemaligen Mitgliedern auch Vertreter der Kirche und Gemeinde, den Revisionsdirektor der Genossenschaftsverbandes Bayern Siegfried Drexl und verschiedene Aufsichtsräte, ehemalige und heutige Vorstände begrüßen.

Jahresrückblick 2010 | Geschäftsstellenleiter Paul Bauer

Bauers Rückblick auf das Jahr 2010 belegte eine sehr gute Entwicklung der Bank. Vor allem dem erhöhten Kreditgeschäft sei zu danken, dass die Einlagen und Ausleihungen im vergangenen Jahr um 1,2 Millionen Euro gestiegen seien. Trotz eigener Investitionen sei der Bestand an Bankeinlagen gleich geblieben. Die Wertpapierkunden konnten in 2010 insbesondere im 4. Quartal erhebliche Gewinne mitnehmen. Überraschend hätte die Bank die Neugeschäftssumme im Bauspargeschäft aus dem Rekordjahr 2009 auch in 2010 erreichen können. Die Steigerung von 14% der Lebens- und Rentenversicherungen belege die wachsende Bedeutung dieser Sparte. Eine wachsende Bedeutung nicht nur für sein Haus, sondern vor allem auch für jeden jungen Menschen, stellte er heraus. Nach den erwarteten Rückgängen der Kundenzahlen durch die Bereinigung der Doppelkunden nach der Bankenfusion folgt jetzt ein erfreulicher Kundenanstieg. Sein Appell an die Gäste war, sich wie die Bank lokal und regional zu orientieren, im Ort einzukaufen und Geschäfte zu machen. Das die VR-Bank dies tue, belegte er mit einer Reihe von Aktionen und Unterstützungsmaßnahmen für Vereine und Organisationen in Unterwössen.

Gestärkt aus der Krise | Vorstand Hans Höglauer

Der Vorstand der VR-Bank Rosenheim-Chiemsee e.G. Hans Höglauer erweiterte darauf den Fokus auf Deutschland und Europa. Er erinnerte an schlechte Schlagzeilen aus 2009 und die sich da bereits abzeichnende Finanzkrise. Er schilderte den Weg auf dem ein innovativer Mittelstand und konsequente politische Entscheidungen die Wegmarken setzten, zeigte wie der anspringende Export aus der Krise starten ließ. Dabei vergaß er nicht den Blick auch auf verbleibende strukturelle Schwächen und Zukunftsherausforderungen wie den demografischen Wandel zu richten.

Er verwies stolz darauf, dass die Volks- und Raiffeisenbanken und – er nannte ausdrücklich auch – die Sparkassen den Weg durch die Krisen aus eigener Kraft und ohne fremdes Geld geschafft und die Kunden weitgehend ohne Verluste gelassen hätten. Die VR-Bank Rosenheim-Chiemsee habe keine Angebote von der Investmentbank Lehmann Brothers vermittelt! So sei seine Bank mit ihren Kunden gestärkt aus der Krise gekommen. Der verbandseigene Sicherungsfond hätte nicht angetastet werden müssen. Dieser Sicherungsfond werde mit erheblichem Aufwand der Verbandsbanken unterhalten und sichere den Kunden unbegrenzt. Die Krise habe gezeigt, dass es einen politischen Regulierungsbedarf bei Groß- und internationalen Banken  gebe, die regionalen Volks- und Raiffeisenbanken, wie auch die Sparkassen seien aber heraus zu halten. Wenn jetzt Politik und Großbanken ein Auge auf die gefüllten Sicherungsfonds der Regionalbanken werfen und diese in die Regulierungsszenarien einbinden wollen, müsse das konsequent verhindert werden. Der Leidtragende wäre ansonsten der heute noch, dann aber nicht mehr voll abgesicherte Kunde der VR-Banken. Im politischen  Bereich gebe es deshalb erheblichen Handlungsbedarf, einmal wichtige Brennpunkte anzufassen, neue Projekte anzuschieben und solche Auswüchse zu verhindern.

Zum Euro vertrat Höglauer die Auffassung: “Wir haben kein Problem des Euros, sondern ein Problem von einigen Staaten, die keine soliden Staatsfinanzen vorweisen können.” Die Schritte und Pläne der Bundesregierung erachte er für richtig und vielversprechend.

Abschließend zeigten, so Höglauer, die Zahlen aus dem Jahresbericht und die heutigen Marktanteile der VR-Bank Rosenheim-Chiemsee, dass die Fusion mit der VR-Bank Rosenheim in einem der stärksten Wirtschaftsgebiete Deutschlands zu einer der größten Genossenschaftsbanken Bayerns nicht nur der richtige Weg gewesen, sondern auch hervorragend gemeistert sei.

Ein Vorstand stellt sich vor | Klaus Hatzel, designierter Höglauer-Nachfolger

Mit Klaus Hatzel stellte Hans Höglauer, der im Juni des Jahres in Vorruhestand gehen wird, seinen Vorstandsnachfolger vor. Hatzel ergriff die Gelegenheit und schilderte seinen bisherigen Werdegang. Für die Zukunft möchte er unabhängig von der Bankgröße vor allem die regionale Verbundenheit stärken und die Bindung zum Kunden weiter verbessern.

Unterwössen & die Bank | Bürgermeister Hans Haslreiter

Die enge Verbundenheit mit der Region und ein hohes Verantwortungsbewusstsein für die Menschen vor Ort bescheinigte auch der Erste Bürgermeister der Gemeinde Unterwössen Hans Haslreiter in seinem Grußwort der Gemeinde. Die Bank habe die Arbeitsplätze in der Region gesichert und einen wertvollen Beitrag zur Gewerbsteuer geleistete. Sie war und ist Partner für Handwerk, Wirtschaft und Landwirtschaft, wie auch Sponsor und Unterstützer. Die Gemeinde danke ganz herzlich für die vielen gemeinsamen Jahre in Unterwössen und spreche die besten Wünsche für die Zukunft aus.

Vertrauen in die Region | Revisionsdirektor im Genossenschaftsverband Siegfried Drexl

Ein Heimspiel hatte Siegfried Drexl als Revisionsdirektor des Genossenschaftsverbandes Bayern. Er ist Unterwössner. Aus seinen Worten sprach seine Begeisterung für die Region und das darin eingebettete System der Volksbank. Die Präsenz vor Ort, die feste Bindung an den Kunden und das regionale Geschäft mit der Wirtschaft, den Gemeinden sah er als Schlüssel für die Zukunft. Er appellierte auch an die Gäste sich dieser Stärken bewusst zu sein, und es selbst auch zum Maßstab des eigenen Handelns zu machen, auf die Region zu vertrauen und sich verstärkt lokal einzubringen.

Der Blick zurück | Vorstand Hans Höglauer

Zum Abschluss nahm Vorstand Hans Höglauer die Gäste der Feier mit auf eine Zeitreise in die Vergangenheit. Er beleuchtete das Weltgeschehen, zeigte dann aber auch das Leben im Achental und im Dorf Unterwössen vor 125 Jahren. Er belegte die geringen Geldmittel in der Region, zeigte dass die Finanzströme am Achental vorbei gingen und die Menschen mit diversen Schicksalsschlägen zwangsläufig verarmten. So verstand man den revolutionären Durchbruch, die die damals noch neue Idee des Miteinanders in einer Raiffeisenbank, einer Genossenschaftsbank, für das Tal brachte. Mit vielen Helfern auch außerhalb der Bank hatte Höglauer sodann Zeitdokumente und Urkunden zusammen getragen und unterhaltsam zusammengestellt, die die Entwicklung des Tales und des Bank und Geschäftslebens über die Jahre bis in die Neuzeit belegten.

Das Festmenü leitete dann in den gemütlichen Teil der Veranstaltung über, der den vielen Gästen noch reichlich Raum gab, sich der oft gemeinsamen Vergangenheit zu erinnern und Neues miteinander auszutauschen.

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