Unterwössen | 146. Traditioneller Handwerkertag am 07. Februar 2011
Feb 21st, 2011 | by lukk | Rubrik: Nachlese, Unterwössen
Beide Redner des 146. Wössner Handwerkertages verdeutlichten die große Bedeutung des örtlichen Handwerkes. Bürgermeister Hans Haslreiter (von links nach rechts) belegte dies in seinem Grußwort für die Gemeinde mit den örtlichen Zahlen aus Unterwössen, Vorstand und Ehren-Bezirksinnungsmeister Hans Michael Heser stellte die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung des Handwerks in Bayern dar. Mit Martin und Franz Stocker stellte er den über hundert versammelten Meistern, Gesellen und Auszubildenden zwei Neumeister vor. Nach altem Brauch war die Innungslade, die fein gearbeitete und verzierte Kiste, in der die Innungsutensilien und -bücher verwahrt werden, zum Zeichen der wichtigen Innungsversammlung geöffnet.
Unterwössen. Über 100 Meister, Gesellen und Auszubildende dankten nach alter Sitte im Gottesdienst zum 146. Traditionellen Unterwössner Handwerkertag für das vergangene Arbeitsjahr. Pfarrer Klaus Wernberger war in seiner Predigt besonders auf ihr Wirken und Werken und auf das Handwerk eingegangen. Zum anschließenden Weißwurstfrühstück im Hotel Gabriele blickte Vorstand und Ehren-Bezirksinnungsmeister Hans Michael Heser, Malermeister in Unterwössen, in seiner Ansprache auch auf die Tradition. Der Schwerpunkt seiner Worte lag aber vor allem der wirtschaftlichen Lage im Handwerk, das einerseits gestärkt aus der Finanz und Wirtschaftskrise heraus startet, sich andererseits mit der Herausforderung des Fachkräftemangels in der Zukunft konfrontiert sieht.
Tradition im Handwerk
“Sehet und erkennt die guten Werke Eurer Väter, erhaltet sie und bewahret sie. Bewahret sie, aber seid offen für Neues!” Das gab Hans Michael Heser den Handwerker als Quintessenz aus dem 146 Jahren Handwerkertag mit auf den Weg. Im Rückblick auf 2010 hob er besonders hervor, dass 40 Handwerker, darunter auch er selbst, in herkömmlicher Handwerkstracht bei der Amtseinführung von Erzbischof Reinhard Marx als Kardinal in Rom bewegende und gefühlbetonte Momente erleben durften. Das Auftreten der Handwerker habe dort – so Heser – “die enge Verbundenheit des oberbayrischen Handwerks mit der Kirche und die tiefe Verwurzelung in der christlich-abendländischen Wertekultur” zum Ausdruck gebracht.
Rückblick 2010
Ansonsten sah er das Jahr 2010 ganz unter dem Druck der Finanzkrise, freute sich aber, dass “statt der wirtschaftlichen Herbstdepression ein goldener Konjunkturherbst” gekommen sei. Bis zu 3,7% Zuwachs beim Bruttosozialprodukt bescheinige das Ifo-Institut bei guter Prognose für die zukünftigen Jahre. Die Zahlen des Bundesinstitutes für Berufsbildung belegten, dass die Unternehmen trotz der Krise an der Ausbildung festgehalten hätten und in die Fachkräftesicherung investiert hätten. So sei Deutschland “vom wirtschaftlichen Sorgenkind zum Wachstums-Musterschüler” geworden, meinte Heser. “Es waren die kleinen und mittleren Betriebe”, so Heser, “die in der Krise Verantwortungsbewusstsein, Substanz und Solidarität gezeigt haben.” So habe der Geschäftsklimaindex im Münchner und oberbayrischen Handwerk Ende September 2010 auf seinem höchsten Wert seit 18 Jahren gestanden. Die Zahl der Handwerksbetriebe sei gestiegen und liege in Oberbayern Ende 2010 bei ca. 74.500 Betrieben. Die Stimmung im Handwerk sei gut. Jeder dritte Handwerksbetrieb arbeite mit einer Auslastung zwischen 90 und 100%.
Zukunftsheruasforderung Fachkräftemangel
All dem stehe jetzt schon der Fachkräftemangel als Zukunftsherausforderung gegenüber. Lediglich 40% der Betriebe im Münchner und oberbayrischen Raum seien optimal besetzt. Zusätzliche 37% kämen gerade so zurecht, würden aber gern einstellen. Fast ein Viertel der Betriebe habe somit Probleme mit dem Fachkräftemangel. Das hemme die Entwicklungsmöglichkeiten dieser Betriebe massiv. Der Handwerkskammerpräsident Heinrich Traublinger habe dazu gemeint, “dass den Betrieben im Kammerbezirk dadurch Umsätze von nahezu 1,3 Milliarden € pro Jahr entgehen.”
Jetzt sieht Heser die Handwerkskonjunktur an einem sehr sensiblen Punkt. Um den begonnenen Aufbruch in einen sich selbst tragenden kräftigen Aufschwung münden zu lassen, müsse dem Handwerk eine handwerksfreundliche Politik unter die Arme greifen. Die Rahmenbedingungen für eine Stärkung der Binnenkonjunktur müssten überzeugend gesetzt werden, damit diese neben dem Export ein zweites stärkeres Standbein biete.
Heser ermunterte, sich für die Erhaltung des örtlichen und regionalen Handwerks zu engagieren und bat um Unterstützung. Die Gefahr sei groß, in baldiger Zukunft ohne kleine und mittlere Geschäfte und Handwerksbetriebe zu sein, so dass der Bürger die Handwerkerleistungen in den Randgewerbegebieten der Städte suchen müsse. Aber nur die örtlichen Betriebe brächten der eigenen Gemeinde die Steuereinnahmen, die die Bürger alle zum Überleben brauchten.
Grußwort des Bürgermeisters
Mit Stolz verwies Bürgermeister Hans Haslreiter im Grußwort der Gemeinde auf die lange Tradition des Handwerkertages in Unterwössen, eine gute Sache, die der Zentralverband des deutschen Handwerks jetzt erstmals für sich erkenne. Am 3. September gäbe es jetzt einen bundesweiten Handwerkertag. Das Handwerk sei eine Lokomotive der Konjunktur. Dort würden die meisten Lehrlinge ausgebildet. Dabei erweise sich, dass gutes Handwerk nur zukunftsorientiert und durch Fleiß und Ausdauer zu erreichen sei. Die gute Konjunkturlage dürfe nicht darüber hinweg täuschen, dass die Folgewirkungen der Euro- und Bankenkrise längst nicht überwunden seien. Im Freistaat seien jährlich 400 Millionen € durch die Tilgung der Verluste aus dem Hypo-Alpe-Adria-Abenteuer gebunden.
Mit 114 Betrieben und 318 Mitarbeitern sei das Handwerk einer der wichtigsten Wirtschaftszweige der Gemeinde Unterwössen. Fleiß, unternehmerischer Weitsicht und dem täglichen Bemühen der Geschäftswelt seien in 2010 eine Gewerbesteuermehreinnahme von 110000 € zu danken. Er danke deshalb ganz herzlich für die großartigen unternehmerischen Leistungen zum Wohle der Bürger.
Die Gemeinde Unterwössen werde auch zukünftig bemüht sein, die heimischen Betriebe bei der Auftragsvergabe zu berücksichtigen, wie jetzt bei der energetischen Sanierung von Volksschule und Turnhalle. Außerdem werde die Gemeinde in der Zusammenarbeit mit der Hauptschule auch zukünftig bei der Ausbildungsplatzsuche behilflich sein.
Für das kommende Jahr erhoffe er sich für die Handwerkerschaft, dass sich der Aufschwung fortsetze und die Auftragsbücher gefüllt bleiben.
Nach altem Brauch beendeten die Handwerker ihren Handwerkstag mit einem Zug durch die Gastronomie am Ort.





















































