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Unterwössen | Die Beklagte im Schadensersatzprozess des Hallenbadvereins hat laut deren Anwalt Insolvenzantrag gestellt.

Autor +Ludwig Flug
Jan 27th, 2011 | by | Rubrik: Nachlese, Unterwössen
Sporthallenbad Achental in Unterwössen

Sporthallenbad Achental in Unterwössen

Unterwössen. Mit einem großen Paukenschlag ist ein neues Kapitel um das Sporthallenbad Unterwössen und den Hallenbadverein aufgeschlagen worden. Am 26. Januar hat der Hallenbadvorstand und Gemeinderat Hans Wimmer (CSU) im Landgerichtsverfahren auf Schadensersatz gegen die Installationsfirma des Blockheizkraftwerkes (BHKW) im Unterwössner Hallenbad die Mitteilung erhalten, dass die beklagte Firma Insolvenzantrag gestellt hat.

In jenem Gerichtsverfahren verlangt der Hallenbadverein als derzeitiger Träges des Sporthallenbades Unterwössen von der Firma, die das Blockheizkraftwerk im Hallenbad errichtet hat, Schadensersatz in Höhe von knapp 110.000,- €. Der Verein vertritt die Auffassung, dass die Blockheizkraftwerkausfälle und die Schäden durch die Ausfälle des Blockheizkraftwerkes von der Firma zu verantworten sind. Nachdem nun ein vom Gericht bestellter Sachverständiger im Anschluss an die Besichtigung des Blockheizkraftwerkes, seine erste vorläufige Auffassung mit den Prozessparteien besprach, sah der Hallenbadverein einen deutlichen Hoffnungsschimmer auf ein für ihn positives Prozessende

Der Hallenbadverein und seine Prozessvertreter befürchten jetzt aus dem Insolvenzantrag eine erhebliche Verzögerung des Gerichtsverfahrens und weiter, dass selbst ein gewonnener Prozess bei einer Insolvenz der Installationsfirma kein Geld für den Hallenbadverein und damit auch kein Geld für die Gemeinde bringt, die den Verein in den letzten Jahren unterstützt und unter anderem auch für die Finanzierung gebürgt hat.

Diese Nachricht trifft den Verein zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. War noch im Dezember in der Jahreshauptversammlung des Hallenbadvereins vor roten Zahlen des letzten Jahres, der Entschluss aber einhellig, den Betrieb fortzusetzen (wir berichteten), mehren sich jetzt die Stimmen, die die erheblichen Summen monieren, die die Gemeinde zur Unterstützung des Vereins und des Hallenbades außerhalb der festen monatlichen Zahlungen entrichtet. Zuletzt hatte der Gemeinderat der Freien Wählergemeinschaft Wössen e:V. Andreas Bichler von außerplanmäßigen 80.000 Euro Zuschuss der Gemeinde im Beschlusszeitraum des Gemeinderates vom 16. November 2009 bis 21.06.2010 gesprochen (wir berichteten). Die Kernaussage Bichlers: “Ich habe immer gesagt, ich bin für das Hallenbad. Aber wenn es nicht mehr zu finanzieren ist, müssen wir Abstand davon nehmen!”

Bereits mit Einladung vom 25. Januar hatte Bürgermeister Hans Haslreiter auf die Tagesordnung der Gemeinderatssitzung (31. Januar, 19 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses) den Punkt Sachstand Blockheizkraftwerk/Hallenbad gesetzt.

Die Bedeutung der sich abzeichnenden Auseinandersetzung verdient es, die Situation zu analysieren.

Hans Wimmer, Gemeinderat (CSU) und Vorstand des Hallenbadvereins

Hans Wimmer, Gemeinderat (CSU) und Vorstand des Hallenbadvereins

Als der Gemeinderat 2004 auf ein Jahr mit Kosten von 197.000,- Euro für den Gesamtkomplex zurückblickte, entschied er sich für die Schließung des Hallenbades. Ein Bürgerentscheid setzte mit einer deutlichen Mehrheit die Fortführung des Betriebes durch. Die Befürworter nahmen mit dem Hallenbadverein die Sache in eigene Hände und bauten auf das Modell, die hohen Energiekosten des Hallenbades durch ein Blockheizkraftwerk zu senken. Auf ökologischer Basis von Rapsöl als Betriebsenergie sollte der Blockheizkraftwerkmotor Strom erzeugen und den an die Stromversorger gegen eine Einspeisungsvergütung abgeben. Die Motorabwärme sollte dann die Grundwärme für das Hallenbad liefern, so dass nur bei niedrigen Außentemperaturen herkömmlich zugeheizt werden müsse. Dieses Modell läuft in vielen Blockheizkraftwerken in Deutschland. Und auch wenn das Rapsöl höheren Aufwand an Motorenwartung bedeutet und die Einspeisevergütung der Elektrokonzerne inzwischen gesunken ist, erweist sich das andernorts als erfolgreiches Modell.

Dass das in Unterwössen nicht so ist, gründet auf den vielen Ausfällen des BHKW. Mangelhafte Fundamente führen zu starken Vibrationen, die es immer wieder zu Schäden an den Anschlusskomponenten kommen lässt. Nach Auffassung des Vorstandes Wimmer, der sich da auf Informationen stützt, die er aus dem Gerichtsverfahren hat, erfordert ein reibungsloser Betrieb neue vibrationsgedämmte Fundamente, was – so Wimmer – den Abbau des BHKW, die Erstellung der Fundamente und die Neuinstallation des BHKW verlangt.

Auf Vorwürfe, bei der Auswahl der Installationsfirma nicht sorgfältig genug gewesen zu sein, weist Hans Wimmer im Gespräch mit unserer Zeitung darauf, dass die Firma bei Auftragsvergabe einen guten Ruf hatte. Sie habe bereits sechs solche BHKW errichtet. Vorzeigeobjekt sei der Badepark in Inzell gewesen. Mit den dortigen Verantwortlichen habe er Rücksprache gehalten. Noch im Januar 2010 habe der Inzeller Gemeinderat im Vertrauen auf diese Firma einen Auftrag in Größenordnung von knapp 40.00 Euro an die vergeben.

Natürlich – so Wimmer – sei man heute klüger und würde sicherlich bei in gleicher Situation eine Ingenieurplanung in Auftrag geben. Aus heutiger Sicht! Aus damaliger Sicht habe man unter finanziellem Druck gestanden, so eng wie möglich zu kalkulieren um in angespannter finanzieller Situation um das Hallenbad zum Erfolg zu kommen. Der Hallenbadverein sei deshalb der Empfehlung des Installationsunternehmens gefolgt, auf eine solche Planung zu verzichten. Der Vorstand hätte dem Unternehmen geglaubt, dass diese nach den vorangegangen BHKW-Installationen die Sachkunde zu einer erfolgreichen Planung besäße. Die Firma hatte dargestellt, dass die Ingenieurgutachten bei den ersten von ihr errichteten BHKW ungefähr 24.000 Euro gekostet hätte.

Wir befragten Hans Wimmer ganz konkret, wie es nach seiner Meinung weiter gehen solle. Wimmer antwortete, dass der Hallenbadvereinsvorstand und auch er sich nach eigener Ansicht nichts zuschulden hätten kommen lassen. Wenn das andere anders sehen würden, würde er auch beiseite treten. Anderseits sei er nicht so “feige, den Verein in diesen schwierigen Zeiten allein zu lassen”, auch wenn das jetzt alles eine Riesenlast geworden sei.

Er halte die Idee des BHKW nach wie vor für gut. Zeiten ohne Ausfälle des BHKW hätten das auch deutlich gemacht. Auch für die Gemeinde wünsche er sich ein erfolgreiches Ende. Immerhin gehe das Eigentum des BHKW im Jahr 2013 entschädigungslos an die Gemeinde.

Schwierige Verhandlungen stünden jetzt an. Es müsste für die Finanzierung der Umbaumaßnahmen gesorgt werden und das BHKW möglichst schnell für einen zuverlässigen Betrieb gerüstet werden. Das sei erst jetzt mit der Beweissicherung durch den Gerichtsachverständigen möglich geworden. Für die Deckung der Raten des Finanzierungsdarlehens müsse gesorgt werden. “Trotzdem bin ich zuversichtlich!”

Wimmer lenkte das Augenmerk dann auch darauf, dass das Sporthallenbad zwischenzeitlich gut angenommen werde. 30.000 bis 40.000 Besucher habe es im Jahr, darunter viele Schüler der Region im Sportschwimmunterricht. Den Hallenbadbetrieb aufzugeben, sei auch keine Lösung. Ohne das neue Konzept des BHKW würden die Energieprobleme des Hallenbadkomplexes in geringerem Umfang bleiben und dann auf die Schultern der kleinen Mitnutzer des Hallenbadkomplexes verteilt. Und gerade bei der sich auch nach der Sozialraumanalyse abzeichnenden Bevölkerungs- und Tourismusentwicklung könnte das Hallenbad in der Zukunft eine Perle im Angebot Unterwössens sein.

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