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Unterwössen | “Die drei Eisbären” – Lustspiel des Wössner Bauerntheaters von Maximilian Vitus

Autor +Ludwig Flug
Apr 28th, 2011 | by | Rubrik: featured, Nachlese, Unterwössen
Die Stimmung schwappt über! Kein Platz für die neue Bäuerin?

Die Stimmung schwappt über! Kein Platz für die neue Bäuerin?

Oberwössen. Es war ein anstrengender Abend für die Zuschauer des bekannten Lustspiels “Die drei Eisbären” beim Wössner Bauentheater, denn lautes Lachen über die drei langen Akte ist anstrengend und wird so manchem einen gehörigen Bauchmuskelkater verschafft haben.

Die Kurzfassung des Stückes von Maximilian Vitus ist schnell erzählt, gibt aber nicht im Ansatz die Unterhaltung wieder, die das beliebte Theaterstück dem Zuschauer tatsächlich bietet. Drei Brüder bewirtschaften erfolgreich Ihren weit abseits gelegenen Hof zusammen mit einer in die Jahre gekommenen Haushälterin. Die drei Brüder sind eiserne Junggesellen, wollen das auch bleiben – deshalb werden sie Eisbären genannt -, die Haushälterin fürchtet jede weibliche Konkurrenz. Die negativen Seiten dieser Lebensplanung treten hervor, als die Haushälterin erkrankt und es mit dem dann Männerhaushalt rapide bergab geht. Die Probleme erkennen alle, die Lösung will keiner, bis eine junge Magd nach krampfhaften Anstrengungen endlich Einsicht und Einlenken bringt.

Den Jüngsten der drei Brüder, den Juliander (Andreas Steiner), hatte zwar zu Beginn des Stückes erkennbar das Lampenfieber gepackt, aber das war schnell verflogen. Die drei Eisbären füllten dann ihre Rollen prächtig aus. Und gerade auch die Auswahl der Schauspieler, den Wolfgang Färbinger als Peter, den Robert Rieger als Pauli und den Juliander passten von Alter und Wesensart prächtig. Peter der Ältere, ließ schon erste Anzeichen von Kauzigkeit erkennen, die Gelassenheit ist dem Pauli auch im Alltag zu eigen und das eher Introvertierte liegt dann auch dem Andreas Steiner als schüchternem Juliander. Dass die drei auch der Länge nach wie Orgelpfeifen zueinander passten, gab so machen Hingucker auf der Bühne. Und wo es dann andernorts optisch nicht passen wollte, da hatte die Maske mit Gerti Schwarz und Burgi Bauer Erstaunliches geleistet. Mit so einer Maske nahm man der allzeit rüstigen Johanna Steiner auch optisch die betagte Haushälterin Veronika ab. Aus den drei Brüdern hatte die Maske ungepflegte Zotteln gemacht. Das gab ein schönes Bild, als sich da die drei struppigen Vollbärte über den Säugling auf dem Küchentisch neigten. Und so streng wie das die Maske geschafft hatte, schaut die Haslocherin, die Gabi Haslberger, im Alltag nun wirklich nicht. Als die dann aus sich heraus ging und auf der Bühne dazu passend mit schneidender Stimme den Männerhaushalt zurecht rückte, duckte sich nicht nur der ansonsten gerissene Viehhändler Anton Blank, zugleich Regisseur und Bühnenbildner, zu einem kleinen Männerhäuflein, sondern auch das Publikum.

Die Tür geht auf! Das Maralen betritt die Eisbären-Bühne

Die Tür geht auf! Das Maralen betritt die Eisbären-Bühne

In faszinierendem Kontrast dazu stand da die neu angeschaffte Kindsfrau, die Maralen (Claudia Schweinöster), die erkennbar darin aufging, jeden zuvorkommend und freundlich zu behandeln. In Ihrer liebevollen, dann aber auch wieder verzweifelten Art taute sie nicht nur die Herzen der drei Eisbären, sondern war auch die Erste, die glaubhaft die Freundschaft der Haushälterin Veronika gewinnen konnte. Das alles gab schöne Bilder, wunderbare Szenen, in denen die Schauspieler jeder für sich deutliche Akzente setzten.

Am Schönsten war aber der Wortwitz in diesem ohnehin schon fein ausgearbeiteten Theaterstück. Vieles konnte man davon mit Heim nehmen: “Wenn jemand mal ein Kindl find, dann nennt man das ein Findlkind!”, “Ohne Weib ist das Leben wie eine ungesalzene Suppe!” oder “Weiberleut sind in jedem Alter zu fürchten!” Und den Schauspielern gelang es, das gesprochene Wort glaubhaft mit Gestus, Körpersprache und Mimik zu untermalen, die Spannung aufrecht zu erhalten. Zu dem Wortwitz kamen dann die vielen kleinen Höhepunkte, die sich Regisseur Anton Blank mit den Schauspielern erarbeitet hatte. Das begann bei den Kostümen, ging bis zu zugespitzten Handlungen, die das Gesagte und Dargestellte überdeutlich untermalten. So manche Reaktion auf der Bühne überraschte das Publikum völlig. Viel Liebe war da auf das Detail verwandt.

Kein Wunder also, dass das Publikum nahezu ununterbrochen vom Lachen geschüttelt wurde. Da wurde nicht nur geschmunzelt, sondern schallend gelacht, da gab es Szenenapplaus an vielen Stellen, wieder an anderen, die nur verstand, wer Einheimischer war. Traditionell finden sich zur Theaterpremiere auch immer die Oberwössner Röckifrauen ein. Und die hatten natürlich auch ansonsten Bezug zu den Laienschauspielern. Kein Wunder also, dass es für die noch weit mehr Grund gab, das Bühnengeschehen zu belachen, wenn dort die heimischen Männer zum Beispiel ihre Putzgewohnheiten offenbarten. Wir fragten die Zuschauer am Ende des Stückes, was ihnen besonders gefallen hat. Das war dann nie das Happy End oder das Stück, sondern vor allem die Leistung und Wandlungsfähigkeit der Schauspieler. Diese Anerkennung kam auch im Schlussapplaus deutlich zum Ausdruck.

Veranstaltungsort:

  • Gasthof zur Post, Oberwössen

Vorstellungen:

  • Montag, 25. April,  18.00 Uhr !!
  • Freitag, 29. April,  20.00 Uhr
  • Freitag, 06. Mai,  20.00 Uhr
  • Samstag, 07. Mai,  18.00 Uhr !!
  • Samstag, 14. Mai,  20.00 Uhr

Einlass und Abendkasse:

  • jeweils ab 18.00 Uhr (bzw. 16.00 Uhr)

Kartenvorverkauf:

  • Touristinformation Unterwössen, Tel.: 08641 / 8205

Eintrittspreise:

  • Erwachsene 7,00 €
  • Kinder (bis 16 Jahre) 3,50 €

 

 

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