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Unterwössen | Diskussion um die Schulsituation im Achental mit dem Landtagsabgeordneten Klaus Steiner

Autor +Ludwig Flug
Jul 1st, 2011 | by | Rubrik: Nachlese, Unterwössen
MdL Klaus Steiner diskutiert im Gemeindesaal Wössen über die Schulsituation im Achental

MdL Klaus Steiner diskutiert im Gemeindesaal Wössen über die Schulsituation im Achental

Unterwössen. “Bildung ist das hervorstechende Kapital, das wir in unserem rohstoffarmen Land haben.” vertritt der CSU-Landtagsabgeordnete Klaus Steiner. Als Mitglied des Bildungsausschusses im Landtag wollte er dem Achental mit der schulpolitischen Diskussion um den Schulverbund Mittelschule deshalb seine Ansichten und politische Arbeit näher bringen.

Seiner Einladung in den Unterwössner Gemeindesaal waren aber trotz sechs eingeladenen CSU-Ortsverbänden nur gut 20 Zuhörer gefolgt und Versammlungsleiter Hermann Minisini, CSU-Ortsverbandsvorsitzender Wössen, zeigte sich von der Besucherzahl aus der Bevölkerung aber vor allem aus der Achental-CSU sehr enttäuscht.

Seinen Leitsatz von der Bildung als hervorstechendem Kapital begründete der Landtagsabgeordnete Klaus Steiner einmal damit, dass Bildung die Konkurrenzfähigkeit im globalen Wettbewerb erhalte, zum anderen, dass die erforderlich sei, dem Land die soziale Sicherheit zu erhalten.

Auf dem Weg zu mehr Bildung würden in Deutschland und in Bayern verschieden Ansichten konkurrieren. Für SPD, Grüne und Teile der FDP sei eine einheitliche Schule mit 10 Klassen ohne Noten und ohne leistungsbezogene Sortierung denkbar.

Die CSU fordere und schaffe im Gegensatz ein mehrgliedriges Schulsystem mit einer individuellen Förderung der Kinder. Die Qualität eines Schulsystems könne nicht an den Übertrittquoten der Schüler auf das Gymnasium gemessen werden. “Ich”, so Klaus Steiner, “bin gegen eine Abwertung der Hauptschule und der breiten Basis des Mittelstandes.” Aufnahmeverfahren gegen den Ansturm von immer mehr Abiturienten an den Hochschulen, aber Fachkräftemangel im Handwerk, das gehe nicht zusammen. “Wer auf das Gymnasium passe, der solle auch hingehen. Aber wir müssen dem anders Begabten auch seinen Platz bieten.”  Und immerhin “In Bayern ist es möglich, seinen Handwerksmeister zu machen und dann zu studieren.”, so Steiner. “Wir müssen uns dagegen wehren, dass die Hauptschulen schlecht geredet werden.” Für ihn, Steiner sei es wichtig, dass Chancengerechtigkeit bestehe. Die Durchlässigkeit des bayerischen Schulsystems, das immer wieder Schulentscheidungen korrigieren kann, sei ihm äußerst wichtig. Er wehre sich aber gegen die Gleichmacherei und dagegen, dass sich der Unterricht an den Schwächeren orientiere.

Wir brauchen Fachkräfte für den Mittelstand, meinte Klaus Steiner. Den Weg aus der Finanzkrise hätten nicht die hochstudierten Köpfe geschafft, sondern der Mittelstand habe Deutschland aus der Krise gezogen. Und “Bildung ist kein Gnadenakt. Wir brauchen diese gut ausgebildeten Kinder.”

Deshalb stünden Bayern und die CSU hinter dem Prinzip der Hauptschule, wie es jetzt unter dem Namen der Mittelschule als beruflich orientierte Schule voran getrieben werde. Das biete den Schülern den Zugang zu dem gesamten Bildungsangebot und sichere gleichzeitig den Bestand kleinerer Schulen, solange aus diesen noch eine Klasse gebildet werden könne. So entstehe, meint Steiner, ein wohnortnahes, differenziertes und gerechtes Bildungsangebot von hoher Qualität.

“Kinder, die auf der Außenbahn starten, weil es daheim nicht hinhaut, die muss ich fördern.” Anders seien dann wieder die mit z.B. Behinderungen zu fördern. Ein dafür erforderliches differenziertes Förderangebot schaffe nur ein Schulverbund, meint Steiner.

Weiter sagt er, eine Mittelschule müsse berufsorientierte Zweige (Technik, Wirtschaft, Soziales) und ein Angebot zum mittleren Schulabschluss auf dem  von Wirtschafts- und Realschule bieten. Bereits ab der fünften Jahrgangsstufe solle modular in den Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch, aber auch individuell gefördert werden. Die Schule müsse mit den Berufsschulen, der Wirtschaft und Arbeitsagentur kooperieren und ein offenes oder gebundenes Ganztagesangebot haben. Angebote der Jugendsozialarbeit und von Förderlehrern sollten das abrunden. Eine Betonung auf die soziale Kompetenz der Schüler solle das Klassenlehrerprinzip bieten.

Schon zuvor hatte im Grußwort der Gemeinde der Erste Bürgermeister Hans Haslreiter für Unterwössen festgestellt, dass sich das Achental mit seinem Schulverbund auf einem guten Weg befinde. Er zeigte sich sowohl mit den Schulen, der Zusammenarbeit im Verbund und mit den Lehrerkollegien sehr zufrieden. Andreas Dögerl, Bürgermeister von Marquartstein, erinnerte daran, dass es schon früher einen Achental-Schulverbund gegeben habe. Den damaligen Schülern begegne er heute oft. Die hätten als Handwerker oder in anderen Berufen ihren Weg gemacht. Er begrüße den Schulverbund deshalb damals wie heute.

Es schloss sich eine rege Diskussion an, die sich teilweise auch mit allgemeiner Politikverdrossenheit auseinander setzte. Dabei gab Steiner zu bedenken, dass Politik teilweise so langsam agiere, weil sie zunächst Vorurteile in den Köpfen der Bürger beseitigen müsse. In dieser Beziehung sei auch oft der sogenannte “Wutbürger” mit deutlich geprägten Eigeninteressen ein echter Hemmschuh. Und wenn sich in Körperschaften und Gremien die Teilnehmer oft seit Jahrzehnten unversöhnlich gegenüber stünden, könne ein Politiker diesen Knoten auch nicht in ein paar Tagen lösen.

Über all dem stehe aber die Riesenherausforderung, von der keiner rede. Der Bürger müsse sich schon darüber klar sein, dass Einrichtungen wie die Bundeswehr heute völlig über Kredit finanziert würden, dass vier Milliarden in Bayern erwirtschaftete Euro über den Länderfinanzausgleich in andere Bundesländer abflössen. Vor jedem finanziellen Hintergrund betrachtet sei deshalb erst einmal Konsolidierung der Finanzen die wichtigste Aufgabe, auch wenn damit in eigentlich allen Bereichen notwendige Maßnahmen unterblieben.

MdL Klaus Steiner am Rednerpult

MdL Klaus Steiner am Rednerpult

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