Unterwössen | Faszination Blasmusik II, 4 Blasmusikkapellen der Spitzenklasse am Sonntag im Festzelt
Aug 11th, 2011 | by lukk | Rubrik: Nachlese, UnterwössenUnterwössen. Der “Faszination Blasmusik” sind die Unterwössner und die vielen teils sehr weit angereisten Gäste auch am zweiten Motto-Tag erlegen. Und tatsächlich feierten im Festzelt innerhalb der Jubiläumswoche der Musikkapelle Wössen vor allem Fachleute ihre Musik beim zweitägigen Auftreten international hochkarätiger Blaskapellen. Das bewiesen die Vielzahl an Musikkapellenemblemen, T-Shirts mit Blasmusikaufdrucken und Trachten. Und tatsächlich – der Mitveranstalter Martin Huttenlocher hatte für die Auswahl und die Reihenfolge der Kapellen ein goldenes Händchen bewiesen.
Bläsersound rüttelte um 10 Uhr die Gäste im gut gefüllten Festzelt wach. Immer dann wenn die hochkarätigen Profimusiker ihr Berufsmetier der Klassik an Hochschulen und in großen Orchestern verlassen, lässt es die Innsbrucker Böhmische so richtig krachen. Drei Trompeten, zwei Tenorhörner, eine Tuba und ein Schlagzeug, das war’s. Ein Schlagzeug allerdings, dass auch ein selbständiger Show-Act, eine selbständige Bühnenschau, hätte sein können. Ein sehr eigenständiger Blasmusikstil auf höchstem Niveau, beinahe schon mit leichtem Swing-Anteil einer Bigband, verzauberte die Gäste. Und als gegen Ende nach vielen wunderbaren Soli der vollmundig angekündigte Norbert Rabanser seine Trommel in den Bühnenvordergrund schob war auch beim Publikum kein Halten mehr. Akrobatische Tricks mit den Sticks unter rauschendem Trommelwirbel in den Schlagzeug-Soli. Das Publikum stand da schon längst auf Tischen und Bänken oder gab stehende Ovationen für die gesamte Kapelle.
Die zweite Bühne im Festzelt ermöglichte den nahezu nahtlosen Übergang zu der slowenischen Borsicanka mit Antonin Konicek. Da waren es dann schon 14 hochklassige Instrumenten- und Gesangs-Profis, die sich dort auf der Bühne drängten und mit absoluter Spitzenklasse das bestens gelaunte Publikum übernahm. Der einzig in blauer Jacke gewandte Kapellmeister moderierte und leitete die in roten gekleideten Musiker. Dabei gab er jedem Solisten breiten Raumund von denen gab es viele bei der Borsicanka. Vor allem die Trompeten-Soli und die langen Klarinettensoli werden den Festbesuchern noch lange im Ohr bleiben. Kein Halten gab es mehr für das Publikum, als sich der Großteil der Musiker unter dem Spiel unter das Publikum mischte und von dort im herrlichen Zusammenspiel mit den Kollegen auf der Bühne musizierte.
Der frühe Nachmittag brachte dann im direkten Anschluss Anton Gälle und seine Scherzachtaler Blasmusik. Die Kapelle kokettiert gleich in der eigenen Anmoderation damit, dass sie ja nun alles Laien auf der Bühne seien, lässt aber zugleich keinen Zweifel darin, dass vom Lastwagenfahrer und Getränkehändler der Weg in die Spitze der Blasmusik nur über Arbeit, Arbeit, Arbeit führt. Doch dieses Niveau haben die Scherzachtaler längst erreicht und weil sie neben dem Kapellmeister Anton Gälle einige Komponisten in den Reihen haben – darunter dessen Bruder Norbert (Polka „ Böhmischer Traum“), schreiben die Schwaben heute sogar international Blasmusikkapitel. Anton Gälle leitete seine Musikanten mit raumgreifenden Gesten und hohem Körpereinsatz punktgenau an, kitzelte die Feinheiten der Komposition heraus und brachte mit seinen Musikern ein wunderschön abgestimmtes Konzert. Höhepunkt waren zahlreiche Soli seiner Künstler. Der eigene Stil, die besondere Bühnenpräsenz hielt die Begeisterung des Publikums aufrecht, und mit den letzten Tönen, war man sich eigentlich sicher: nach sechs Stunden Blasmusik würde das Publikum jetzt sein Pulver verschossen haben.
Dem war bei weitem nicht so, weil die österreichische Blaskapelle Tschecharanka unter Leitung von Thomas Zsivkovits das einfach nicht zuließ. Die 12 Vollblutmusiker brachten vor allem eines mit: Leidenschaft. Auf der Bühne saßen die jungen Männer in den Pausen wie die Musikanten beim Hoagart, doch dann ein kurzer Zuruf und es ging schmissig, hochkonzentriert und mit voller Hingabe in das Musikstück. Da wurde die letzte Feinheit aus dem Instrument gekitzelt und unglaubliche Soli entzückten das Publikum. Da waren sie dann, die Blasmusikanten von Nah und Fern. Dirigenten hatte es zuhauf im Festzelt, deren Hände die Musik untermalten. Die Lippen der Zuhörer bearbeiteten vermeintliche Mundstücke, da wurde leise dazu gepfiffen, gesummt und gebrummt. Und da waren natürlich die vielen ausgelassenen Blasmusikfans auf den Tischen und Bänken. Von denen wird keiner das denkwürdige Wochenende “Faszination Blasmusik” im Festzelt der Musikkapelle Wössen vergessen.


























































