Unterwössen | Frauen-Union Wössen: Früherer ARD-Korrespondent Herbert Mair referiert “Der Iran und die Bombe”
Mai 11th, 2011 | by lukk | Rubrik: Nachlese, UnterwössenUnterwössen. Für ein Thema weit außerhalb des Achentals fand der Vortrag “Der Iran und die Bombe” von Herbert Mair, freier Journalist und ehemaliger ARD-Korrespondent im Nahen Osten, guten Zuspruch. Der Frauen-Union um die Vorsitzende Rosemarie Pathé hatte sich wieder um gerade diesen Referenten bemüht und den über die Hanns-Seidel-Stiftung gewonnen, der schon mit einem vorherigen lebendigen Referat einen guten Eindruck hinterlassen hatte. Ein paar zusätzliche Stühle waren im Hotel Gabriele schnell aufgestellt, um freien Blick auf die Leinwand des bebilderten Vortrages zu erhalten.
Natürlich sah auch der Referent Herbert Mair die Problematik einer möglichen Atombombe in den Händen des iranischen Regimes derzeit überdeckt von der Revolutionswelle der Staaten entlang des Mittelmeeres. Die mache auch die Herrscher in Teheran derzeit sprachlos. Er habe den Eindruck, dass die dortige Führung eher sorgenvoll auf die dortige Entwicklung schaue, und jeden Anlass vermeiden wolle, der im Iran ein ähnliches Pulverfass in der Jugend zünden könne. Denn die Stimmung in der Bevölkerung im Iran sei eher schlecht. Lieber heute als morgen würde die dortige Jugend die Führung “zum Teufel jagen” – so Mair – um ein weltoffeneres Leben führen zu können.
Aber auch wenn die Führung in Teheran erst einmal abwarte, die Sorge vor einer Atombombe in den Händen der iranischen Führung sei nach wie vor aktuell. Sorge – aber nicht Angst – stellte Mair heraus. Nach seiner Ansicht sei ein israelischer Angriff auf die iranischen Atomanlagen nicht zu erwarten, damit kein erster möglicher Schritt auf eine weiträumige kriegerische ‘Auseinandersetzung. Ein solcher Schlag würde angesichts der von ihm dargestellten vielen iranischen Orte, in denen die Schritte des Atomprogramms teilweise parallel vollzogen würden, nicht greifen. Zwischenzeitlich sei aber viel Wirkungsvolleres geschehen. Mit Unterstützung der Amerikaner sei es den Israelis gelungen mit einer Schadsoftware Stuxnet die Rechnerprogramme der riesigen computergesteuerten Atomanlagen anzugreifen und so wirksam zu schädigen, dass das iranische Atomprogramm ernsthaft zurück geworfen, somit Zeit gewonnen sei. Um das und die Auswirkungen zu verdeutlichen, blickte Mair auf die Jahrzehnte des iranischen Atomprogramms seit den Schahzeiten zurück. Durchweg waren das Zeiten in denen die westlichen Mächte die Atomprogramme förderten. . Er blickte auf die Arbeitsschritte auf dem Weg zu einer Atombombe und referierte den derzeitigen status quo.
Herbert Mair wusste mit seinem Vortrag zu fesseln, weil er bis heute ständige Kontakte in den Nahen Osten pflegt. Seine Aussagen untermalte er bildhaft mit Alltagszenen und eigenen Erlebnissen. Er kennt die Einschätzung der iranischen Bevölkerung und deren persönliche Einstellung zu ihrer Führung. Einen großen Raum nahm deshalb auch seine Beschreibung des Teheraner Führungssystems ein mit oberstem Religionswächter, mit Präsident Mahmud Ahmadinedschad und den Pasdaran, der iranischen Revolutionsgarde als deren Machtinstrument. Er gab auch Einblick in deren Lebensläufe und beschrieb eindringlich deren Charaktere um so manche dortige Handlungsweise verständlich zu machen.
Im Ergebnis ist Mair der Auffassung, dass sich heute nicht festmachen lässt, ob und wann ein Machtwechsel in Teheran stattfindet. Gerade vor dem Hintergrund der modernen Medien, den Möglichkeiten der sozialen Netzwerken im Internet sagt er aber andererseits, das “niemand dauerhaft im Regen stehen kann, ohne nass zu werden”, womit er meint, dass sich auch im Iran ein modernes Gedankengut wie in den Nachbarstaaten irgendwie durchsetzen wird.
Weiter ist er davon überzeugt, dass die Atombombe im Iran dauerhaft nur zu verzögern, nicht zu verhindern ist. Eine wirkliche Bedrohung des Weltfriedens sieht er darin aber auch nicht, weil die Balance des Schreckens zwischen den Atomstaaten auch da funktionieren wird. Auch in Teheran besteht die Einsicht, dass der Griff zur Atombombe den sofortigen atomaren Gegenschlag und damit das Ende des eigenen Staates auslösen wird.
Diese Auffassung vertrat er auch nachdrücklich in der sich anschließenden lebhaften Diskussion. Und im Ergebnis war es für die Besucher der Veranstaltung dank des Referenten ein spannender Blick weit über die Grenzen des Achentals hinaus.























































