Unterwössen |Jahreshauptversammlung 2011 des Trachtenvereins D’Rechlberger, Oberwössen
Apr 23rd, 2011 | by lukk | Rubrik: Nachlese, Unterwössen
Auf der Jahreshauptversammlung der Trachtler D'Rechlberger, Oberwössen, konnte Vorstand Ludwig Voit (rechts) und der nach 18 Jahren scheidende Zweite Vorstand Flori Aberger (links) für 50--jährige Mitgliedschaft ehren. Die Urkunde erhielten (von links) der Staudach-Egerndacher Bürgermeister Hans Pertl, Rosa Knoll und Engelbert Buchner.
Oberwössen. Eine harmonische Jahreshauptversammlung mit einer aufrüttelnden Rede des ersten Vorstandes Ludwig Voit gab es bei den Trachtlern D’Rechlberger in Oberwössen. Auf ihm lastet nun noch mehr Arbeit, weil sich kein neuer Zweiter Vorstand fand.
Mehr Leute für das Ehrenamt
“Ein Vorstand muss so etwas schon mal sagen dürfen.” meinte Vorstand Ludwig Voit und rüttelte im Anschluss an seinen Jahresbericht die Mitglieder mit einer emotionalen Ansprache auf. Ein Verein sei gelebtes Dorfleben. Darin leisteten die Mitglieder und Vorstände hervorragende Arbeit. Ein Verein vermittle Zusammengehörigkeit und seine Veranstaltungen gäben dem Jahr den Rhythmus. Die Vereine erhielten die Tradition und die Bräuche, bereicherten das Kirchenjahr. Vereine brächten Jung und Alt zueinander und schafften bleibende Werte. Die Vereine unterstützten den Tourismus, und förderten Wirtschaftszweige, denn was kostet eine Tracht? Außerdem repräsentierten sie die Gemeinde nach außen bei Musikkonzerten oder Umzügen. Und Vereine gäben Freude.
Doch trotz dieser Bedeutung sei es immer schwieriger Leute für das Ehrenamt zu gewinnen. Auf Anfrage erhalte ich – so meinte Voit – immer die Antwort “Ich habe keine Zeit!” “Was steckt dahinter”, frage er sich. Arbeiten wir so viel? Haben wir keinen Mumm mehr uns aufzuraffen? Oder ist der Freizeitstress so groß, dass es für das Dorf und die Gemeinschaft keine Zeit mehr gibt? Ist es vielleicht reiner Egoismus?
Wahrscheinlich – so Voit – sind es mehrere Gründe. Doch jedenfalls müsse man diese Entwicklung als äußerst kritisch ansehen. Zurück bleibe immer eine nur kleine Schar an Leuten, die die Arbeit und das Ehrenamt für andere übernähmen. “Das muss” – so Voit – “anders werden.” Die Rechlberger, so beschrieb er, wollen zukünftig die Arbeit auf mehr Personen verteilen. Das bringe mehr Freude, schweiße im Erfolg, vor allem auch im Misserfolg zueinander. Jetzt solle keiner kommen und äußern “Hättest Du etwas gesagt …!” Erstens hätte er immer wieder etwas gesagt, auf offene Arbeiten hingewiesen, zum anderen müsse der Vorstand nicht immer etwas sagen. Da sei auch viel bei jedem selbst im Argen. Das gäbe es nicht, dass jemand daheim seinen Rasen zwei Mal in der Woche mäht, aber nicht merkt, wie der Rasen um den Vereinsschaukasten verwildert, bis der Vorstand dann dort selbst mäht. Sich selbst und die Vorstandschaft sprach er sich insofern von der Verantwortung nicht frei. Es bedürfe nur 30 Stunden im Jahr die Kinder durch die ersten zwei schwierigen Trachtenjahre zu führen, ehe deren Begeisterung einsetze. Dass das jetzt nicht gelungen sei, räche sich darin, dass eine Nachwuchslücke entstehe.
Umso mehr freue er sich darüber, wenn er sähe dass es auch anders gehe. Da hätten sich zwei gestandene Frauen beieinander gesetzt, etwas ausgeheckt und heraus gekommen sei ein Fragebogen für die Vereinsmitglieder, der nun wichtiges Werkzeug sei, die Zukunft und das Angebot im Verein zu planen. Da freuten ihn insbesondere die Aktiven. Wie die das Schneefest und zu anderen Veranstaltungen anpackten, dass sei mehr als vorbildlich.
Kinder und Jugend machen es vor
Und was Ludwig Voit da aufgegriffen hatte, klang auch immer wieder im Bericht der Jugendleitung durch Anja Voit an. 29 betreute Kinder sind keine schlechte Zahl, aber es fehlt eben an den Jüngsten, weil sich keiner drum kümmert. Aber auch in der Jugend gibt es besonders Erfreuliches. Die Idee zu einem Feldkreuz aus der Jugend, habe im Vorstand und Ausschuss nicht gezündet. Da hätten sich die Kinder eben selbst an die Arbeit gemacht, Zeit investiert und gearbeitet. Das hat zusammen geschweißt und am Pfingstmontag soll jetzt das aus der Initiative entstandene Feldkreuz eingeweiht werden. Das Fazit der Anja Voit: “Jugendarbeit geht uns bei den Rechlbergern allen ab! Oft wirkt da schon eine kleine Geste Wunder. Jugendarbeit braucht nicht viel!”
Die Jugend, ein munterer Haufen mit viel Engagement
Was vorher anklang, spielte sich auch im Bericht des Vorplattlers Sepp Entfellner wieder. Die Aktiven sind ein munterer Haufen mit großem Antrieb zu gemeinsamen Unternehmungen. Da gab es einen denkwürdigen Ausflug und bärige Feiern, aber auch gelungene Auftritte und erfolgreiche Arbeit wie die zum Schneefest.
Enlastung des Vorstandes
Der Zweite Kassier Wolfgang Steiner-Tangl konnte im Kassenbericht nur ein kleines Minus berichten, das vor dem Hintergrund der erheblichen Rücklagen zu verschmerzen ist. Da müsse eben auf ein neues, positives Jahr hingearbeitet werden, meinte er. Die Kassenprüfung ergab keine Beanstandungen. Dem Vorstand wurde einstimmig Entlastung erteilt. Vorstand Ludwig Voit konnte für 50-jährige Mitgliedschaft Rosa Knoll, Hans Pertl und Engelbert Buchner ehren.
Neuwahlen lassen eine Lücke
Nach den Neuwahlen blieb eine Lücke zurück. Zweiter Vorstand Flori Aberger hatte nach 18 Jahren Arbeit im Verein nicht mehr kandidiert. Ludwig Voit: “Nach 18 Jahren Vereinsarbeit muss man kein schlechtes Gewissen haben, wenn man eine Pause einlegt. Überraschend zäh verlief dann die Suche nach einem Nachfolger. Viele lange Gespräche sind von Vorstand und Vorstandschaft geführt worden, berichtete Voit, einen Nachfolger zu finden. Noch in der Versammlung gab es auf Nachfrage von Wahlleiter Bürgermeister Hans Haslreiter weitere Vorschläge – für Männer und Frauen. Doch keiner war bereit zu kandidieren. So bleibt das Amt des Zweiten Vorsitzenden jetzt erst einmal unbesetzt. Wiedergewählt wurden Vorstand Ludwig Voit, das Kassierertrio aus Andi Bauer, Wolfgang Steiner-Tangl und Wolfgang Färbinger. Sabine Bauhofer bleibt Schriftführerin, Martina Bauhofer Dirndlvertreterin. Bei den Röckivertreterinnen setzt die Versammlung auf Altbewährtes, nämlich auf Christl Durchner und Heidemarie Haslberger. Und auch die Revisoren bleiben die gleichen mit Simon Bauer und Florian Bauer. Bei den Vorplattlern kommen für Sepp Entfellner und Anton Wetzstein Maximilian Irlinger (Erster Vorplattler) und Christian Durchner. Jugendleiter bleiben Irmi Blösl und Anja Voit, auf Evi Loider folgt aber Martina Entfellner. Bernhard Bauer und Sepp Entfellner wurden neben Andi Greimel und Wolfgang Färbinger jetzt Ausschussmitglieder. Fahnenjunker sind zukünftig Stefan Steiner, Bernhard Bauer, Wolfgang Steiner-Tangl, Helmut Haslberger.
Bürgermeister Hans Haslreiter bedankte sich im Grußwort der Gemeinde für die umfangreiche Vereinsarbeit. Die Rechlberger seien ein stabiler Eckpfeiler im Dorfgeschehen.
Heftigen Beifall erhielten die Frauen aus dem Dorf, vor allem die Frauengemeinschaft und die Röckifrauen, die lebendige Dorfgemeinschaft vorlebten. Elisabeth Meier überreichte für die die Erlöse aus Ostermarkt mit Palmbuschen- und Bastelarbeitenverkauf. Das bringt jetzt 950 Euro für die Instandsetzung der Fahnen des Trachtenvereins.






















































