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Unterwössen | Jahreshauptversammlung des Vereins Sporthallenbad Achental e.V. blickt auf schwieriges Jahr zurück

Autor +Ludwig Flug
Dez 19th, 2010 | by | Rubrik: Nachlese, Unterwössen
Sporthallenbad Achental in Unterwössen

Sporthallenbad Achental in Unterwössen, Chiemgau

Unterwössen. Am Ende eines für ihn grausamen Jahres zog für den Verein Sporthallenbad Achental e.V. dessen Vorstand Hans Wimmer in der Jahreshauptversammlung eine ernüchternde Bilanz. Doch die dort ebenfalls von ihm und seiner Kassiererin Andrea Mühlberger präsentierten Zahlen aus einem Jahr 2009, dessen Verlauf eigentlich Normalfall sein sollte, macht zumindest das Licht am Ende des Tunnels sichtbar.

Das “Erfolgs”-Konzept

Blicken wir kurz zurück. Das Hallenbad war eigentlich nie auf Rosen gebettet. Unter gemeindlicher Leitung ging es ihm in 2003 so schlecht, dass der Gemeinderat beschloss das Hallenbad zu schließen. Dieser Beschluss wurde in einem Bürgerbegehren von der Dorfmehrheit kassiert. Der aus dem Bürgerbegehrenskonzept entwickelte Hallenbadverein übernahm das Hallenbad von der Gemeinde. Er setzte seine Idee um, mit einem einzubauenden Blockheizkraftwerk das Hallenbad umweltbewusst mit überwiegend Rapsöl zu betreiben. Damit sollte dann einerseits Strom erzeugt und verkauft werden. Andererseits sollte mit dessen Abwärme das Hallenbad geheizt werden, so dass nur zu Spitzenzeiten mit Heizöl zugeheizt werden musste.

Rückschläge ohne Ende

In seinem Bericht legte Vorstand Hans Wimmer die Situation schonungslos offen. Zuerst fraß eine verspätete Inbetriebnahme nach verspäteter Lieferung des Blockheizkraftwerkes die Finanzpolster des Vereins. Dann verhinderten vor allem zwei Fehler den geplanten Erfolg. Trotz anderslautender Planungen reichte ein Betonfundament für den Generator des Blockheizkraftwerkes nicht aus. Der Generator musste mit einer – wie Lorenz Plenk es in einer Wortmeldung passend beschrieb – zusammengeflickten Stahlstrebenkonstruktion unterfüttert werden. Die Maschinenschwingungen auf so unsicherem Grund führten zu Schäden und Generatorausfällen. Ein eigentlich vorzusehender Wärmetauscher wurde erst einmal nicht installiert, was im Großschadenfall 2010 dazu führte, das saubere Luft nicht über den Wärmetauscher getrennt von den Abgasen geführt wurde. Rauch aus einem Maschinenschaden wurde so über die Klimaanlage im gesamten Komplex verteilt und machte diesen für letztendlich drei Monate nicht nutzbar. Einnahmen seien ausgefallen. Der Schaden im Hallenbadkomplex sei zwar von der Versicherung bezahlt worden, die Betriebsausfallversicherung hätte aber nicht die Zeit für die Beseitigung dieser Schäden abgedeckt, sondern nur eine Zeit die es gebraucht hätte, den reinen Maschinenschaden zu beseitigen. Eine Übergangsvereinbarung mit dem Hallenbad Reit im Winkl hätte die Situation überbrückt aber auch 2.000 Euro gekostet. Inzwischen sei der Wärmetauscher installiert. Jetzt sei der Generator wieder ausgefallen und das Blockheizkraftwerk nicht in Betrieb. Die Versicherung rufe energisch nach einer endgültigen Abhilfe. Und eigentlich hätte man endlich die Generatorfundamente schaffen müssen.

Gerichtsverfahren hindert Instandsetzung

Dem steht aber das laufende Gerichtsverfahren entgegen, mit dem der Hallenbadverein seine Schäden in Höhe von ca. 110.000 Euro gegenüber der Firma gelten macht, die das Blockheizkraftwerk eingebaut hat und die auch für die verspätete Lieferung verantwortlich sei. Bis der Sachverständige in jenem Verfahren die Beweise vor Ort nicht gesichert habe, könne die Anlage aber nicht verändert werden. Nach einigem Hin und Her solle der Sachverständige jetzt am 16. Dezember kommen. Danach könne die Reparatur beginnen, deren Finanzierung aber auch deshalb zwischenzeitlich schwieriger geworden sei, weil der Stillstand des Blockheizkraftwerkes nicht nur geplante Einnahmen aus dem Stromverkauf verhindere, sondern der Betrieb des Hallenbades mit herkömmlicher Ölheizung Unmengen an Heizöl verbrauche, die ebenfalls keiner eingeplant habe. So sei die Kreditlinie ausgeschöpft, Lieferrechnungen könnten nicht sofort beglichen werden.

Es geht auch anders

Letztendlich meinte Hans Wimmer aber, dass er voller Hoffnung in die Zukunft schaue und das nicht grundlos. Denn sein Jahresbericht mit Schwerpunkt auf das schwierige Jahr 2010 traf zusammen mit dem Kassenbericht der Andrea Mühlberger aus einem Jahr 2009, das in etwa so gelaufen war, wie geplant, ohne Störungen und nennenswerte Standzeiten des Blockheizkraftwerkes. Bei Einnahmen von 324.000 Euro und Ausgaben von 295.000 Euro habe man bei normalem Betrieb in 2009 einen Gewinn von 25.000 Euro erwirtschaftet. So sei in einem normalen Jahr sogar noch Luft für Investitionen und steigende Energiepreise. Und wenn dann in jetzt noch drei Jahren die Darlehen für das Blockheizkraftwerk zurück geführt seien, sehe die Situation noch rosiger aus. Die Planungen gingen also auf, wenn man endlich den möglichen störungsfreien Betrieb des Blockheizkraftwerkes erreiche.

Hallenbad als wichtiger Faktor

So rief auch Hans Wimmer auf, nicht den Ast abzusägen, auf dem alle säßen. Das Dorf müsse attraktiv bleiben für den Tourismus, müsse ansonsten abwanderungswilligen jungen Leuten zumindest als Wohnort attraktiv bleiben. Was hätte Wössen denn an Attraktionen außer dem Hallenbad. Und sein wichtigstes Argument. Inzwischen kommen die  Kinder aus dem ganzen Achental mit den Schulen, ja sogar von Traunstein. Solle denen das alles genommen werden. Das Ende der Durststrecke zeige sich bei der endgültigen Instandsetzung und mit dem Prozessende ab. Darauf solle man vertrauen.

Auch Zweiter Bürgermeister Barthl Irlinger sah das so. Es wäre schizophren jetzt wenn in 2010 so viel Geld, Zeit und Aufwand in das Hallenbad investiert worden ist, und es für den Besucher schön und attraktiv gemacht zu haben, den Betrieb einzustellen. Man müsse durch dieses von einer Vielzahl von unglücklichen Ereignissen geschaffene Tal hindurch. Er dankte dem Vorstand des Hallenbadvereins um Hans Wimmer, die sich durch das Jahr 2010 gebissen hätten und nie aufgegeben hätten. Der Vorstand Hans Wimmer stehe wie ein Fels in der Brandung. Er habe zwar mal gewankt, sei aber nicht gefallen.

Entlastung erteilt

Respekt vor der Leistung des Vorstandes und der Kassiererin zeigte auch der Kassenprüfer. Er bescheinigte eine einwandfreie Kassenprüfung, worauf dem Vorstand Entlastung erteilt wurde. Am Rande verwies der Prüfer aber auch darauf, dass ihm bei der Prüfung aufgefallen sei, wie viel heimische Unternehmen vom Hallenbad Aufträge erhielten. Auch das sei Aspekt, den man nicht vernachlässigen dürfte.

Abschließend drückte Hans Wimmer den Vorstandskollegen, den Helfern rund um das Schwimmbad, von den Schwimmmeistern, dem Kassenpersonal bis zu den Reinigungskräften seinen tiefend Dank für den Zusammenhalt und die wertvolle Unterstützung aus. Er dankte auch der Gemeinde, die immer da sei, wenn man sie brauche.

Die Mitglieder des Vereins machten den Eindruck, dass sie die Ansichten des Vorstands und des Zweiten Bürgermeister teilten. Auch wenn die Situation ausgesprochen schwierig ist, man muss einfach dadurch.

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