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Unterwössen | Jugendforum “Zukunftsorientierung” 2011

Autor +Ludwig Flug
Mrz 30th, 2011 | by | Rubrik: Nachlese, Unterwössen
Jugendforum "Zukunftsorientierung" 2011

Jugendforum "Zukunftsorientierung" 2011

Unterwössen. Das Jugendforum “Zukunftsorientierung” – eine von anderen gern aufgegriffene Idee der Adelheid Meirer, Leiterin des Wössner Regenbogens, – fand jetzt im recht ordentlich besuchten Wössner Gemeindesaal statt. Gekommen waren aber bis auf eine Ausnahme keine jungen Oberwössner. Jugendliche und Verantwortliche in Gemeinde und Kreis fanden dabei zueinander und insgesamt scheint der Abend einen Startpunkt für so manche Initiative für die Jugendlichen gesetzt zu haben.

Wunschzettel

Als zu Beginn der Veranstaltung die Wössner Jugendlichen ihren kleinen Wunschzettel präsentierten, zeigten sich zum einen die Hürden zwischen jung und alt, zum anderen aber auch die Lösungen im Umgang miteinander und hin zu einzelnen Zielen. Die Wunschliste war kommod: Etwas mehr Grund für den Skaterplatz, um eine Rampe aufstellen zu können, die es schon gibt. Einen Grillplatz für die Jugendlichen, Tageslicht und längere Öffnungszeiten im Jugendraum. Vielleicht den Wössner See mit Gerät für die Jugendlichen etwas „aufmotzen“ – wie es Adelheid Meirer ausdrückte -, vielleicht einen Sprungturm oder ein Trampolin auf dem Wasser.

Die Grenzen zeigten da schnell– nennen wir sie mal – die Senioren auf. Zugeständnisse hinsichtlich des Skaterplatzes würden – so Bürgermeister Hans Haslreiter – wesentlich leichter fallen, wenn da nicht immer die Beschwerden wären, dass der Platz verkomme, niemand aufräume, Glasscherben und anderer Müll zurückbliebe. Ähnlich läge die Situation um Tageslicht im Jugendraum. Der Jugendraum habe ja erst im Obergeschoss des Hallenbades gelegen. Dort habe es aber immer wieder Lärmbeschwerden der Umlieger gegeben. Weil die Jugendlichen darauf die Situation nicht geändert hätten, wäre der Jugendraum jetzt in den Keller gelegt. Seitdem sei Ruhe. Es blieb zu erkennen, dass damit die Jugendlichen Ihre Chance zu mehr Licht vertan hatten. So etwas solle sich aber möglichst nicht wiederholen, deshalb seine Bitte – so Haslreiter – die Ziele mit mehr Eigenverantwortung anzugehen. In die gleiche Rubrik falle der Grillplatz, meinte Siegfried Weidacher, Jugendbeauftragter bei der Polizeiinspektion Grassau. So eine offene Feuerstelle und ein Veranstaltungsplatz bedürfe einer Genehmigung. Die gäbe es aber nur, wenn da die Belästigung Dritter durch Lärm, Müll und Brandgefahren in Grenzen bliebe. Die Erfahrung habe gelehrt, dass das ohne weiteres nicht funktioniere. Erst wenn jemand, z.B. ein Verein oder auch ein Jugendlicher für den Zustand der Anlagen verantwortlich zeichne, funktioniere das. Meist gäbe es dann im Beginn ein, zwei Ermahnungen bis sich die Beteiligten aufeinander eingespielt hätten, dann wäre das aber eine gute, sinnvolle Sache.

Engagement

Was Hermann Minisini, Mitinitiator des Forums, einleitend gesagt hatte, dass er sich junge engagierte Menschen wünsche, und was Landtagsabgeordneter Steiner da mit Beispielen aus seiner eigenen Karriere und Jugend untermauerte, scheint also für die Wössner Jugend der Schlüssel zu sein. Mehr Engagement der Jugend in der Gemeinde bringt ein breiteres Angebot. “Engagiert Euch! Ihr werdet merken, man kann etwas bewegen!“ so Minisini.

Initiative

Und schon ergriff ein Jugendlicher die Initiative und rannte damit gleich offene Türen ein. Sein Vorschlag, der Wössner Musikszene der Jugendlichen abseits der Blaskapellen etwas mehr Raum darunter auch Probenraum zu geben. Er habe schon vorsichtige, aber erfolgreiche Erkundungen eingeholt, ob man nicht einen Tag der Musik in Wössen veranstalten könne. Tagsüber sollten da bayrische Volks- und Blasmusik beginnen und das sollte dann langsam in die Musik der jungen Leute am Abend übergehen, um auch jeden Geschmack und jedes Alter zu erreichen. Michaela Bauer vom Wössner Regenbogen fand die Idee toll, verwies auf die Möglichkeit, das gegebenenfalls als zuschussfähiges Projekt zu starten und sagte volle Unterstützung zu. Auch sonst wurde der Gedanke gut aufgenommen.

Jugendforum Zukunftsorientierung 2011

Sie zeigten sich an den Fragen der Jugendlichen in Unterwössen im Rahmen des Jugendforums interessiert: von rechts, Ideengeberin Adelheid Meirer, Vorstand des Wössner Regenbogen e.V., Walter Christopher, Traunstein, Bürgermeister Hans Haslreiter, Landtagsabgeordneter Klaus Steiner, Siegfried Weidacher, Jugendbeauftragter der Polizeiinspektion Grassau, Hermann Minisini und Johannes Weber, beide Mitinitiatoren des Forums.

Lehrstellen

Als dann die „Senioren“ aus vergangenen Erfahrungen den sozialen Brennpunkt “Lehrstellen” thematisieren wollten, zeigte sich: die demographischen Prognosen haben Recht! Das ist jetzt schon kaum mehr ein Problem der Jugendlichen, sondern ein Problem der Wirtschaft. Landtagsabgeordneter Klaus Steiner konnte aus seinen Erfahrungen bestätigen, dass es jetzt schon immer mehr Firmen gäbe, deren Lehrstellen unbesetzt blieben, weil ein Mangel an Auszubildenden bestünde. Er rief die Jugendlichen auf, diese Chance zu nutzen. Sie sollten die Entscheidung für ihr Berufsleben mit Bedacht und unabhängig von Einflüssen sorgsam treffen und die ganze Bandbreite des Angebotes im Auge behalten. Dabei käme es nicht unbedingt auf ein Studium hinaus, auch der Handwerksberuf sei im Chiemgau hoch angesehen. Und mit einem Handwerksgesellen-, dann dem Meisterbrief käme man schnell zu einer eigenen Existenz. Voraussetzung sei aber auch hier ein wechselseitiges Geben und Nehmen. Erfolg könne nur der haben, der sich überhaupt als ausbildungsfähig erweise, also selbst Initiative entwickle im Beruf seinen Mann und seine Frau zu stehen.

Polizei

Zum Thema mehr oder weniger Polizei im Achental entspann sich eine Diskussion zwischen Polizist Weidacher und ein paar Jugendlichen, die sich durch Polizeikontrollen schikaniert fühlten. Weidacher fand fundierte Argumente für Polizeikontrollen. Landtagsabgeordneter Steiner beeindruckte die jungen Leute mit einem Blick auf die Gegenseite. Er warb bei den Jugendlichen um Verständnis für die vielleicht drei Polizeibeamten, die innerhalb der Polizeistation Grassau am Wochenende Dienst täten. Wenn die nach einem gewalttätigen Familienstreit in schwierigem sozialem Milieu als nächstes zu einem schweren Verkehrsunfall gerufen würden, könnten die vielleicht nicht mehr gewohnt gelassen mit den Pöbeleien alkoholisierter Jugendlicher bei der nächsten, nötigen Kontrolle umgehen. Er habe vor der Arbeit dieser Männer und Frauen die keinen leichten Job haben, hohen Respekt.

Rauchen, Alkohol und Drogen

Als in diesem Zusammenhang das Thema Rauchen, Alkohol und Drogen aufkam, fand Minisini mit seinen positiven eigenen Erfahrungen nach dem Abbruch seiner Raucherkarriere und dem Appell an die Jugendlichen, das Rauchen zu lassen nicht den Draht. Da wirkten schon eher die statistischen Zahlen aus dem Landkreis Traunstein über alkoholvergiftete Kinder und Jugendliche ab 11 Jahren von Polizist Weidacher und das Beispiel von Steiner, von Jugendlichen, die bereits ihre siebzehnte vergebliche Alkoholentziehungskur versucht hätten. Die Jugendlichen horchten auf, als Weidacher darauf verwies, dass Drogen- und Alkoholauffälligkeiten schon beim zweiten Mal Auswirkungen auf den beabsichtigten oder schon geführten Führerschein haben, wenn die Verkehrsbehörde den Erwerb und Behalt von einer medizinisch-psychologischem Test abhängig mache.

Schulbus-Chaos

Die teils dramatischen Schilderungen von Szenen im überfüllten Schulbusverkehr der RVO mit manchmal überforderten Busfahrern zu den höheren Schulen, ließen Bürgermeister Hans Haslreiter zusagen, zusammen mit Bürgermeisterkollegen bei der RVO nachdrücklich auf Besserung zu drängen.

positive Bilanz

Am Ende der Veranstaltung zog Adelheid Meirer in positives Fazit. Um verschiedene der angesprochenen Punkte könne man sich erfolgreich bemühen. Für diese und anderes sei ein Engagement der Jugendlichen selbst erforderlich. Als Ansprechpartner diene jetzt nach der zu Ende gehenden Ära der Zivis beim Wössner Regenbogen die neu angestellte Katrin Grander. In diesem Zusammenhang, sei es aber wichtig, Initiative zu entwickeln, auf die Verantwortlichen oder den Wössner Regenbogen zuzugehen. Spontan stellte sich darauf Andi Brandl als zukünftiger Sprecher der Jugend für eine Zusammenarbeit zur Verfügung, was mit heftigem Beifall beklatscht wurde.

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