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Unterwössen | New Orleans Jazz und Boogie Piano mit Michael Alf

Autor +Ludwig Flug
Okt 12th, 2010 | by | Rubrik: Nachlese, Unterwössen

Michael Alf mit seinem New Orleans Jazz und Boogie Woogie Piano

Michael Alf mit seinem New Orleans Jazz und Boogie Woogie Piano

Unterwössen. Zweieinhalb Stunden saß im recht ordentlich besuchten Wössner Gemeindesaal (Zugleich lief im Fernsehen Fußball mit Deutschland : Türkei, im Ort Standkonzert und Pfarrweinfest) das Publikum recht still, ungläubig staunend. Augen und Ohren waren auf den Mann gerichtet, der etwas vor dem Publikum an seinem Klavier saß, und das machte, was er nahezu zeitlebens tut: ein mitreißendes New Orleans und Boogie Woogie Piano spielen. Der Siegsdorfer Pianist Michael Alf, wohlbekannt auch auf renommierten Bühnen Deutschlands und Europas, war von der Musikschule Unterwössen zu einem Konzert eingeladen: ein Experiment, denn auswärtige Künstler mit hohem Anspruch gehören eigentlich nicht zum Wössner Kulturprogramm. Mit der durch den neu geschaffenen Gemeindesaal jetzt geschaffenen Bühne soll sich das aber zukünftig ändern.

So kannten sich beide eigentlich nicht, das Publikum und der Künstler. Michael Alf ein schmaler, hoch gewachsener Mann mit eher filigranen Händen setzte sich an das Klavier und begann. Zum Warmspielen ein schnelles melodisches Stück mit bunten Variationen, ein ähnliches Stück hinterher. Das Publikum wirkte beeindruckt. Dann kam der erste Boogie Woogie und die Kinnlade des ein oder anderen Zuhörers klappte herunter. Ein zufriedenes Schmunzeln zog langsam über das Gesicht des Musikpädagogen und Musikschulleiters Otto Dufter jun.. Das sagte zum einen “Alles richtig gemacht mit der Veranstaltung”, zum anderen “Das wird ja ein toller Abend!” Und der Kenner sollte recht behalten.

Ging es mal ruhig dahin, dann hatte es immer noch D-Zug-Geschwindigkeit. Um da den Unterthemen und Jazz- und Boogie-Arrangements gerecht zu werden, flogen die Finger schon über die Tasten. Bei aller Geschwindigkeit schuf der Musiker gefühlvoll und fein Stimmungen, baute Spannungen z.B. mit Tempoverzögerungen auf. Immer mal wieder sang Michael Alf zu seinen Stücken mit heller klarer Stimme.

Am meisten Spaß hatten die Zuhörer, wenn unglaublich rasanter Boogie-Woogie gespielt wurden, wenn schon überschnelle klassische Musikthemen in den Jazz kolportiert und trotzdem mit viel Gefühl und Improvisierspaß variiert wurden. So etwas hatten die Leute noch nicht gehört, geschweige denn gesehen. Unglaublich, dass Finger mit solcher Präzision und Geschwindigkeit über die Tasten rasen können. Und schloss man die Augen blieb da nur rasante, aber gefühlvolle, harmonische Musik.

Dass der Musiker dabei mit sympathischer, informativer Moderation, Humor und einem guten Stück Selbstironie schnell den Draht zum Publikum fand, hob die Stimmung zusätzlich. Und so ließ sich das eher zurückhaltende Publikum schließlich gern mit einbinden. Es steuerte dann auch mal den eingeübten Refrain mit zarter Stimme bei. Vorsichtig wurde Takt geklatscht und es gab neben dem heftigen Beifall nach jedem Stück sogar den ein oder anderen Begeisterungsjuchzer.

Viel zu schnell war der Abend dahin, die letzte Zugabe gespielt. Doch dann gab es noch eine Überraschung. Otto Dufter überreichte dem Michael Alf zum Dank für den gelungenen Abend einen großen Präsentkorb. Das habe es, so der Künstler, der für das Goethe-Institut schon überall auf der Welt gepielt hat, auf internationalen Festivals aufgetreten ist, Firmenevents internationaler Konzerne begleitet hat,  noch nie gegeben. Sie scheinen sich zu mögen, die Wössner und der Michael Alf.

www.michaelalf.de

Michael Alf und ein Ausschnitt des Unterwössener Publikums

Michael Alf und ein Ausschnitt des Unterwössener Publikums

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