Unterwössen | Orchideenwoche | beim Orchideenzüchter Franz Glanz
Jun 13th, 2010 | by lukk | Rubrik: Nachlese, UnterwössenUnterwössen. Der Orchideenzüchter Franz Glanz sen. ist ein Mann mit Humor. Und die vielen Teilnehmer der Wössner Orchideenwoche, die ihm in seine Treibhausdschungel in Unterwössen gefolgt waren, bekamen das schnell mit. Das ermutigte einen Besucher zu der kecken Frage, was er tun müsse um auch Weltmeister-Orchideen zu züchten. Franz Glanz lachte. Aber so ein richtiges Zaubermittel oder -Pulver hatte er auch nicht.
Aber wer ihm dort in der Enge, beinahe erdrückt unter all der blühenden Orchideenpracht aufmerksam zuhörte – und alle hingen an seinen Lippen -, der konnte die Lösung erkennen. Denn keine Frage blieb unbeantwortet, viele Aspekte wurden beleuchtet. Und bei der Qualität der Fragen, die ihm die offensichtlich sachkundigen Besucher stellten, ging es dann wirklich ans Eingemachte. Ein Fazit lässt sich wohl aus der Informationsfülle ziehen. Ein gesundes Grundwissen über die Orchidee, die man betreut, über deren Eigenarten, Standortbedingungen und Wachs- und Ernährungsverhalten bildet den Sockel. Dann gilt das Augenmerk dem Raumklima. Wie keine Pflanze der anderen gleicht, gleicht kein Raum dem anderen. Da geht es schon los bei der Frage, wie oft gießen, wie düngen oder nicht düngen. Viel wird durch die ganz eigene Pflanzenumgebung bestimmt. Und vor allem – das ist der nächste Schwerpunkt – hilft die Pflanzenbeobachtung. Wächst sie zur Zeit, wie wächst sie, viele Rispen, wenig Rispen, viele Blüten, wenig Blüten, Besonderheiten an den Luftwurzeln, Belag oder Fäulnis, Wurzelbildung, Zurückbildung. All das sollte man wahrnehmen und reagierend eingreifen.

Einer der weltbesten Orchideenzüchter, Franz Glanz aus Unterwössen, Chiemgau, führt Orchideenfreunde gern in seine Treibhäuser und lässt sie an seinem Wissen teilhaben.
Und mit den Antworten darauf hielt Franz Glanz nicht hinter dem Berg. Gießen, bis es heraus fließt, aber dann nie im Wasser stehen lassen, sondern immer wieder abtrocknen lassen. Zwei bis dreimal die Woche gießen, wenn das Orchideensubstrat wieder trocken ist. Keine oder wenig direkte Sonneneinstrahlung. Kein kaltes Leitungswasser, sondern am besten temperiertes Regenwasser. Orchideen wachsen auf Orchideensubstrat, nicht auf Blumenerde oder Torf. Düngen mit Orchideensticks ist einfacher, er selbst bevorzugt Flüssigdünger, weil er besser zu dosieren und zu verteilen ist. Trockene Blätter entfernen, wenn sie gelb sind. Alle zwei Jahre im Frühjahr oder eventuell auch im Herbst umtopfen, wenn die Zeichen an der Pflanze dafür stehen, z.B. wenn die Rinde herauskristallisiert. Alte Pflanzen teilen. Schneiden nach dem zweiten Auge, aber nicht wenn eine Rispe nachschiebt.
Ganz offensichtlich macht den Weltmeister eine jahrzehntelange Leidenschaft für Orchideen, ein andauernder, unermüdlicher Einsatz für Pflege und Betreuung, Erfahrung und immerwährende Neugier aus.
Franz Glanz erklärte auch, wie aus diesen ursprünglich aus den Tropen importierten Kostbarkeiten heute ein leicht und günstig zu beziehender Schmuck für die Wohnung wurde. Die Orchidee wird heute von den Züchtern – wie auch ihm – unter sterilen Bedingungen im Labor geklont und dann unter sorgsamer Pflanzenhygiene bis zur ersten Blüte aufgezogen – bei manchen Arten drei Jahre, im Extremfall 10 Jahre.
Für drängende Fragen nach Orchideenkrankheiten kannte Franz Glanz die Methoden, Mittel und Dosierungen. Er sprach eindrucksvoll für den Artenschutz. Doch wünschte er den Schwerpunkt auf Artenschutz in den täglich vernichteten Naturvorkommen und nicht in den Zollbestimmungen, die ihm vier Wochen vor der Ausfuhr zu Ausstellungen zum Beispiel in die Schweiz hellseherische Fähigkeiten abverlangten, welche seiner Pflanzen bis zur Meisterschaft erblüht sein werde.
Die vielen Teilnehmer der überaus gut besuchten Veranstaltung ließen den Franz Glanz aber auch nach dem heftigen Schlussbeifall nicht gehen. Der Züchter musste noch Fragen um Fragen zu den Pflanzenlieblingen daheim beantworten.
























































