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Unterwössen | Pflege mit Zukunft – Veranstaltung rund um das Thema Pflege im Alter

Autor +Ludwig Flug
Jul 18th, 2010 | by | Rubrik: Nachlese, Unterwössen

Vortrag von Dr. Jörg Eberhardt, Leiter der Palliativversorgung im Klinikum Traunstein

Dr. Jörg Eberhardt, Leiter der Palliativversorgung im Klinikum Traunstein

Zu einer Informationsveranstaltung unter dem Thema “Pflege mit Zukunft” trafen sich auf Initiative des Seniorenheims Unterwössen und deren Trägergesellschaft, der Anthojo-Gruppe, dort Fachleute rund um das Achental zum Gedankenaustausch und zur Information der Betroffenen, Angehörigen und Interessierten.

Unterwössen. Während sich am Ende eines heißen Tages die Unterwössner im schattigen Biergarten, am heimischen Grill oder auf der vollen Liegewiese am See den Feierabend genossen, dachten so 50 Leute, teils aus beruflichen Gründen teils aus Interesse über gerade deren Zukunft nach. Spätestens seit der Sozialraumanalyse im Gemeinderat, die der eigentlich noch gesund strukturierten Gemeinde durch die gesamtdeutsche Bevölkerungsentwicklung zukünftig riesige Herausforderungen durch eine überalterte Bevölkerung prognostizierte, ist der Umgang mit den Senioren ein brandaktuelles Thema.

Zum einen nutzten die Fachleute das Treffen zum Gedankenaustausch untereinander. Von der Seniorenbeauftragten des Landratsamtes Traunstein Monika Samar bis zur Vorsitzenden des Wössner Regenbogen Adelheid Meirer waren Fachleute, Pflegepersonal, Berater, Mediziner gekommen, sich auszutauschen. An Informationsständen informierten Unternehmen der Gesundheits- und Seniorenbranche, gemeinnützige Unternehmen wie Caritas und Malteser, soziale Einrichtungen und Krankenkasse. Den Kernpunkt der Veranstaltung bildete – insbesondere für die Besucher – eine lockere Reihe von Kurzvorträgen rund um die Pflege in der Zukunft.

Die Arbeitsagentur Traunstein informierte mit Susanne Fahrig über Weiterbildungsprogramme auch für Arbeitnehmer der Alterspflege während des Beschäftigungsverhältnisses.

Dr. Jörg Eberhardt, Leiter der Palliativversorgung im Klinikum Traunstein, räumte grundsätzlich mit Vorurteilen über die Palliativmedizin auf. Das ist die Behandlung von Patienten mit einer voranschreitenden, weit fortgeschrittenen Erkrankung, in der der Patient nicht mehr auf die Behandlung anspricht und nur noch eine absehbare Lebenserwartung besitzt. Dem Vorurteil und Angst der Außenstehenden, dass ein solches Leben nicht mehr lebenswert sei, trat er heftig entgegen. Mit der Palliativmedizin gelinge es die Lebensqualität auch solcher Patienten erheblich zu steigern und – so Dr. Eberhard – statistische Untersuchungen erwiesen, dass die Lebenszufriedenheit solcher betreuten Patienten deutlich höher liege, als die in der Allgemeinbevölkerung. Lebensqualität sei sehr individuell. Die Palliativmedizin schaffe diese, indem sie zunächst die Leiden der Patienten mindere. Die Schmerzen würden individuell vermindert, die eigenen Ängste und die um die Angehörigen genommen. Quälende Krankheitssymptome würden individuell angegangen. Im zweiten Schritt würde die Lebensumstände verbessert, die Grundstimmung angehoben, der Appetit wieder hergestellt und die sozialen Bindungen verbessert. Palliativmedizin bedeute aber auch, am Ende für ein begleitetes Sterben in Würde und Ruhe, ohne Ängste zu sorgen, ohne aktive Sterbehilfe zu leisten.

Dr. Eberhard verwies auf die steigende Bedeutung, die positiven Erfahrungen und die wachsenden Tendenzen zum Ausbau dieses Medizinzweige im Chiemgau.

Im weiteren Vortrag nahmen der stellvertretende Leiter des Pflegedienstes im Seniorenheim Tobias Pichl und die Pflegedienstleiterin Martina Müller vom ambulanten Pflegedienst Münch die Zuhörer mit in den Alltag einer Unterwössner Seniorin. Sie schilderten den Ablauf der ambulanten Pflege im Haushalt, aber dann auch eine Tagespflege im Seniorenheim an mindestens zwei Tagen in der Woche. Es wurde offensichtlich, dass sich mit dieser Mischung aus ambulanter und Tagespflege das das Unterhaltungs- und Beschäftigungsangebot für die Seniorin deutlich verbesserte, damit auch ihr Wohlbefinden. Sie machten aber auch deutlich, welche Erleichterung so etwas für die mit betreuenden Familienangehörigen bringt, die so freie Tage für sich und das Alltagsgeschäft gewannen. Die Zuhörer nahmen vor allem mit Interesse auf, dass diese Mischung von häuslicher und Tagespflege jetzt nach neuerer Gesetzgebung von der Pflegeversicherung wesentlich mitgetragen werde.

Breiten Raum nahm der Schlussvortrag der Vorsitzenden der Alzheimer Gesellschaft Berchtesgaden Traunstein Roswitha Moderegger. Von Alzheimer und Demenz im Alter wird prognostiziert dass daran in 20 Jahren jeder Dritte erkrankt sein wird. Sie verwies darauf, dass es bei solchen heute noch unheilbaren Krankheiten wesentlich darauf ankomme, sie deutlich von anderen ähnlichen Krankheiten abzugrenzen, die geheilt werden können. Auch ermögliche die frühzeitige Diagnose ebenso frühzeitig ihren Krankheitsverlauf zu verlangsamen. Sie verwies auf die Symptome und Anzeichen, die einen zum nächsten Arzt führen sollten. Frau Moderegger berichtete aber auch von den medizinischen und pflegerischen Fortschritten beim Umgang mit diesen Patienten.

Bei all den Eindrücken von den Schattenseiten des Altwerdens, die oft in den Vorträgen angesprochen wurden, konnten die Zuhörer neben wichtigen Informationen auch mit nach Hause nehmen, dass es rund um das Achental und im Chiemgau Menschen gibt, die sich heute schon für auch unser Altwerden rüsten. Die Veranstaltung wurde allseits positiv gesehen und soll eine regelmäßige Einrichtung werden.

www.pflege-mit-zukunft.de
Seniorenheim Unterwössen

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