Unterwössen | Sepp Blösl gibt die Fahne des lange aufgelösten Kranken-Unterstützungsvereins nach Oberwössen
Jan 15th, 2011 | by lukk | Rubrik: Nachlese, Unterwössen
Bürgermeister Hans Haslreiter, Vorstand des Trachtenvereins D'Rechlberger Ludwig Voit, Spender Sepp Blösl und Verkehrsvereinsvorsitzender Lorenz Plenk, der über die Geschichte des Vereins geforscht hatte.
Oberwössen. Mit einer Überraschungsgabe lässt der Unterwössner Sepp Blösl ein Stück der Oberwössner Geschichte wieder aufleben. Er übergibt die gut erhaltene Fahne des 1948 aufgelösten Arbeiter-Kranken-Unterstützung-Verein-Oberwössen in die Obhut des Trachtenvorstandes Ludwig Voit des GTEV D’Rechlberger.
Der Verein
Vor 1900 kannte man die soziale Unterstützung durch den Staat im Falle von Krankheit noch nicht. In 1897 wurde deshalb unter der Patenschaft des ein Jahr zuvor gegründeten Grassauer Burschen-Kranken-Unterstützungsvereins der Burschen-Kranken-Unterstützungsverein Oberwössen gegründet. Aus einem Schreiben vom 12.02.1902 an das Bezirksamt Traunstein ist bekannt, dass er in 1902 von Vorstand Matthias Aberger, Kassierer Georg Loider und Schriftführer Sebastian Pertl geleitet wurde.
Der Verein hatte sich zur Aufgabe gemacht, die Mitglieder bei Erkrankungen finanziell zu unterstützen. Die dafür erforderlichen Beträge wurden aus Beiträgen der Mitglieder zusammengetragen. Bereits 1906 waren auf diese Weise 375,95 Mark zusammen gekommen. Dabei entsprach eine Mark in damaliger Zeit heutigen 6 Euro. Der Verein hatte zu der Zeit 39 Ordentliche und 48 Ehrenmitglieder. Die Satzung regelte schon in den Anfängen, dass im Falle einer unverschuldeten Krankheit – bei selbstverschuldeter Krankheit wurde nicht gezahlt – pro Tag ein Zuschuss von 30 Pfennig gezahlt wurde, immerhin also 1,80 Euro heutigen Geldes.
Mitglied konnte jeder unbescholtene Mann zwischen 18 und 50 Jahren werden, soweit er keine chronische Leiden hatte. Während der Militärzeit wurde nicht gezahlt, es gab aber beim Eintritt in das Militär ein Geschenk von 3 Mark.
Wie ernst allen das Anliegen war, zeigte eine Satzungsbestimmung, dass während der Vereinsversammlungen keine Karten gespielt werden durften. Sie sollten vielmehr dazu dienen, dass sich die Mitglieder wechselseitig kennen lernten.
Der Verein hat sich nach der Währungsreform im Juni 1948 aufgelöst.
Die Fahne
Wie es sich für die damalige Zeit gehörte, erhielt der Verein auch eine Fahne, die bei den Umzügen stolz präsentiert wurde. Die Fahne ist beschriftet mit Arbeiter-Kranken-Unterstützung-Verein-Oberwössen. Auf diesen Namen war der Verein am 6. Januar 1914 umbenannt worden. In Ihrer Mitte zeigt sie unter einem stattlichen Laubbaum das Handwerkszeug der damaligen Oberwössner Berufe, der Pflug des Bauern und die Säge des Holzknechts. Im Hintergrund ist das Pestkreuz von Oberwössen verewigt. Die Fahne ist sorgfältig bestickt und in einem guten Zustand.
Geschichte der Fahne
Von der Geschichte der Fahne weiß man heute noch, dass Sie noch 1950/52 bei einem Festumzug des Trachtenvereins vom damaligen Fahnenjunker des Burschenvereins Paul Blösl, dem Lindlbauer, getragen wurde. Dieser verwahrte die Fahne auch immer auf dem Hof und hielt sie in gutem Zustand. Nach dessen Tod hat sie dann die Familie des Sohnes Sepp Blösl mit seiner Frau Maria zu sich nach Unterwössen genommen. Auch da wurde sie sorgfältig gehütet. Und als Sepp Blösl jetzt entschied, dass diese Fahne nach Oberwössen gehört und sie deshalb dem Trachtenvorstand Ludwig Voit übertrug, war sie immer noch in bestem Zustand. Der Trachtenverein schuf der Fahne im Zusammenwirken mit der Gemeinde mit einem großen Vitrinenschrank ein neues Zuhause, wo sie Interessierten präsentiert werden kann. Bei der Übergabe zeigten sich der Trachtenvorstand Ludwig Voit, Bürgermeister Hans Haslreiter zusammen mit Sepp Blösl und Lorenz Plenk (der hatte zur Geschichte des Vereins nachgeforscht) sehr zufrieden über das überraschend wieder aufgetauchte Kleinod und seinen neuen Aufenthaltsort Oberwössen.





















































