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Unterwössen | Kabarettistin Simone Solga in Unterwössen, “dem idyllischen Ort zwischen Zivilisation und Österreich!”

Autor +Ludwig Flug
Nov 2nd, 2010 | by | Rubrik: Nachlese, Unterwössen
Simone Solga, Kabarettistin auf Unterwössner Bühne

Simone Solga, Kabarettistin auf Unterwössner Bühne

Unterwössen. Ein furiosen Parforce-Ritt durch Deutschland und seine Politik erlebten die dicht an dicht in Stuhlreihen gedrängten Unterwössner beim Kabarettabend “Bei Merkels unterm Sofa” der Kabarettistin Simone Solga im vollen Wössner Gemeindesaal. Von diesem im Herbst 2009 ins Leben gerufenen Programm ist nur die Struktur von damals, die Themen sind brandaktuell und der Zuhörer, der die letzten Nachrichten gehört hat, ist beim Verständnis eindeutig im Vorteil.

Simone Solga in "Unterwössen, dem Ort zwischen Zivilisation und Österreich"

Simone Solga in "Unterwössen, dem Ort zwischen Zivilisation und Österreich"

Die Idee geht so: Als enge Mitarbeiterin der Kanzlerin gewinnt die Solga immer mehr Vertrauen und Kompetenz, lebt dicht an dicht mit den nationalen und internationalen Größen der Macht: Sie muss aber auch erleben, wie immer wieder Politiker, deren Schwächen sie grandios heraus arbeitet und zerlegt, auf der Karriereleiter an ihr vorbeiziehen. Nach Unterwössen, dem “idyllischen Ort zwischen Zivilisation und Österreich”, ist sie gekommen, um einen Besuch der Kanzlerin in der nächsten Woche vorzubereiten. Simone suchte zu Beginn die  Auseinandersetzung mit dem Publikum im Ganzen und einzelnen Zuhörern im Besonderen, als sie sich fragte, ob alle den Anforderungen an so einen hohen Besuch überhaupt gerecht würden. Das Hin und Her zwischen Ihr und dem Publikum brach schnell das Eis. Nächste Woche beim Kanzlerbesuch werden die Personen mit sozialdemokratischen Gesichtszügen hinten sitzen und CSU-Vorsitzender Hermann Minisini ein Gedicht einstudiert haben. Der erhielt auch schon einen Eindruck, welche Huldigungen da von ihm erwartet werden.

Die unmittelbare Ansprache des Publikums hatte dieses schnell wachgerüttelt und das war gut so. Was jetzt an zweistündigem Wortgewitter über die Wössner hereinbrach, hatte es in sich, das verlangte volle Aufmerksamkeit. Da gab es den einfachen, oberflächlichen Witz vom Taliban-Sprenggürtel des Besuchers, der sich als bayrischer Bierbauch entpuppte, oder die Männer, die sich freuen, wenn ihnen die Frauen freie Hand lassen, weil sie die Leine am Hals nicht spüren. Kurz nachdenken musste man da schon eher, wenn das Zigeunerschnitzel für den französischen Präsidenten Sarkozy ein Image-Gau ist, oder der “Roland Koch seinen Abschied feiert und das Land mit”. Da gab es aber auch einen längeren bitteren Abschnitt über den unbekannten Soldaten, … den aus den Weltkriegen, … den aus dem Kosowo und … den aus Afghanistan. Der Eindruck wie wenig sich die Einstellung der Welt zum Krieg und zum Schicksal des einzelnen geändert hat, ließ das gerade noch ausgelassene Publikum schlucken und Totenstille zog ein. Doch nach einem kurzen Innehalten ging es weiter mit Witz und Ironie.

Noch erwartungsfroh zu Beginn der Veranstaltung, später mal mit lautem Lachen oder Totenstille: das Publikum

Noch erwartungsfroh zu Beginn der Veranstaltung, später mal mit lautem Lachen oder Totenstille: das Publikum. Der neue Wössner Gemeindesaal beweist sich einmal mehr als Allzweckwaffe für jede Art von Publikumsveranstaltung

Viel Gelächter erleichterte dem Publikum, sich mit den bedrückenden Themen auseinander zu setzen. Die führten von der großen internationalen Politik über die namhaften Politkgrößen in Deutschland. Dass Norbert Blüm fälschlich an einem angeblichen Versprechen der sicheren Renten noch heute festgehalten wird, lag am Fehler seiner Soufleuse, die den wichtigsten Satzteil nicht weiter gegeben hat. Das Imageproblem der FDP findet seine gewichtige Ursache darin, dass Westerwelles Soufleuse seit Monaten in Schwangerschaftsurlaub ist und dessen Ehemann auch nicht richtig hilft. Es ging über den Straßenverkehr, die Bildung an der Atze-Schröder-Hauptschule, das Gesundheitswesen, die Preisgestaltung deutscher Energiekonzerne, es ging um Senioren, moderne Kommunikationstechnik und vieles andere. Manchmal schlüpfte Simone Solga dazu in fremde Personen wie in Angela Merkel, den i-Phone-Verkäufer Murat oder Ihre Großmutter. Das ist eine resolute Frau. Die ist das, vor dem die Rentenpolitiker immer gewarnt haben: rüstig! Die wird als Kettenraucherin zukünftig Immissionschutzrechte erwerben müssen, um ihrer Leidenschaft zu frönen. Das System hinter der Gesundheitspolitik hat die Großmutter längst erkannt: Den Senioren das Gebiss zu verweigern, damit die bei sozialer Kälte nicht mit den Zähnen klappern können.

Haufenweise gab es Sprüche zum Merken und Mitschreiben wie: “Nie ist ein Taliban da, wo man ihn braucht!”, das “grundierte Fundwissen” deutscher Politiker oder “Nicht alles was zwei Backen hat, ist ein Gesicht!”

Manchmal war es ganz schön harter Tobak, was Simone Solga da kompromisslos offen legte, manchmal bissig, manchmal bitter dargestellt. Und was selbst eine Solga nicht auszusprechen wagte, weil es Situation oder Politiker so bloss stellte, das verlas sie als Fragen aus dem Publikum für den Merkelbesuch in der kommenden Woche. Und nur der Witz darin half dem Publikum über diese niederschmetternden Wahrheiten hinweg.

Das Publikum war begeistert von der charmanten, lebhaften und sympathischen Frau da auf der Bühne und hatte einen Riesenspaß dort im Wössner Gemeindesaal. Doch als es dann nach der Veranstaltung auf die Straße trat, schmeckten ihn alle, den bitteren Beigeschmack, den diese da sezierten Wahrheiten über Politik, Macht und Alltag zurückgelassen hatten.

So ein Simone-Solga-Abend macht auch den Veranstaltern Mut für zukünftige Abende.

So ein Simone-Solga-Abend macht auch den Veranstaltern Mut für zukünftige Abende. Die Eheleute Fechtig vom Restaurant "Zum Kamin", Unterwössen, bedanken sich bei Ihrem Star.

Auch die Veranstalter, die Eheleute Wilhelm und Ingrid Fechtig, Restaurant “Zum Kamin”, waren von der Simone Solga beeindruckt, von ihr und vom Publikumszuspruch begeistert. Sie überreichten der Künstlerin einen Blumenstrauß und versprachen den Wössnern, solche Kulturhöhepunkte auch künftig zu veranstalten.

>>    Webauftritt der Simone Solga

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