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Unterwössen | Stephan Zinner – Family Business: Lebensalltag mit vollem Körpereinsatz erzählt

Autor +Ludwig Flug
Apr 26th, 2011 | by | Rubrik: Nachlese, Unterwössen
Stephan Zinner - Family Business

Lebensalltag mit vollem Körpereinsatz erzählt, das ist der Schauspieler und Kabarettist Stephan Zinner mit seinem Kabarettabend "Family Business" im Wössner Gemeindesaal.

Unterwössen. Eigentlich mögen sich Männer und Frauen ja. Warum es aber nicht immer harmonisch zwischen ihnen verläuft, dass machte der Kabarettist Stephan Zinner mit seinem Programm “Familiy Business” im gut besuchten Wössner Gemeindesaal völlig deutlich. Und ohne dass er in tiefgründige politische Wertungen und die Tagespolitik einsteigen musste, der Alltag eines Mannes mit berufstätiger Frau, drei Kindern und Elternteilzeit reicht völlig, einen Kabarettabend zu füllen.

Die erste beschriebene Hürde stellt sich ihm im Behördenlauf durch das Arbeitsamt mit der dortigen Sachbearbeiterin in den Weg. Zinner und die Dame mögen sich offensichtlich nicht.

Und dann gehören natürlich zu seinem Alltag die wichtigtuerischen Eltern der anderen Kinder, mit denen er beim Elternabend, in den Schulveranstaltungen wie dem Sommerfest konfrontiert wird. Da prallen Welten aufeinander. Männliche Schulpflegschaftsvorsitzende mit rosa Hemden, für die Vollkornquiche und Nudelsalat aus Vollkornnudeln auch eine Lebenseinstellung sind, sind dem Zinner ebenso ein Graus, wie die, die ihr Kind zu einem Projekt machen, in dem Nachhilfe und Fremdsprachenkurse schon vor dem Schulalter deren Karriere fördern sollen. Mühelos schlüpft Zinner dabei in die Rollen der wechselnden Gesprächspartner und arbeitet mit überzogener Ironie die Schwachstellen des Gegenübers hemmungslos heraus. Hemmungslos ist auch das richtige Wort für die Art, wie er selbstironisch die eigenen Schwächen präsentiert.

Zum Beispiel wenn er seine völlige Unzulänglichkeit im Supermarktalltag im Vergleich zur den dortigen Hausfrauen darstellt. Da lässt er sich selbst von der resoluten Seniorin mit Rollator den Schneid abkaufen.

Großen Raum nimmt in Zinners Programm auch die Schwierigkeit ein, als Hausmann neben seiner berufstätigen Ehefrau und den Kindern die angeblich naturgegebene Position des Haushaltsvorstandes zu behaupten. Bei den Ausflügen ist er eher der Sherpa, der der munteren Familie die Ausrüstung nachschleppt, als Edmund Hillary, der die Richtung vorgibt. Und leistet er sich kleine Ausreißer aus dem Alltag, wie den überzogenen Kneipenbesuch, büßt er das gegenüber dem Ehegespons äußerst bitter. Brüllende Lacher erntet Zinner dabei mit seinen wunderschön dargestellten, treuherzigen Beteuerungen so etwas komme nie, nie, aber auch nie wieder vor.

Und dann bringt seine Sportverletzung seine Rolle in der Familie endgültig ins Wanken. Bedürfte er tatsächlich doch aller Aufmerksamkeit und Pflege für die Wiederherstellung, hat die Ehefrau nichts anderes als Verachtung. Ihre Aufmerksamkeit gilt eher dem Fernseh-Naturbuschen im australischen Dschungel. Und als die Ehefrau seine Liebe auf den Prüfstand stellt und ihm mit geschickten Fragen in eine No-Win-Situation bringt, eine Situation in der auch wirklich jede Antwort falsch wäre, ist die Beziehung erst einmal lädiert.

Doch diese Richtung nach unten hin zum Verlust jeden Ansehens, behält Zinner auch bei, als er auf der Party mit den überdrehten Eltern und Schulpflegschaftvorsitzenden nicht bereit ist, mit an deren Fassade zu bauen. Gerade heraus ist er, arbeitet deren Schwächen großartig heraus und macht sich auf dieser Party zum Affen. Doch ein Happy End hält der Abend dann doch noch für ihn bereit. Zwar rettet er nicht – wie der Fernsehnaturbursche – die Familie mit bloßen Händen vor einem Krokodilangriff, aber immerhin die versammelte Weiblichkeit der Party vor einer großen Spinne. Das bringt ihm nicht nur die heiße Zuneigung der Partydamen und der eigenen Ehefrau, sondern auch die Zuneigung des Publikums im Wössner Gemeindesaal.

Für das Publikum ist es ein unterhaltsamer Abend gewesen, bei dem nicht gedankenschwere Weltprobleme im Vordergrund standen, sondern der gelebte Alltag. Szenen also, in denen sich jeder sogleich zu Hause fühlte. Und dann ist es eben so, dass der Stephan Zinner als gelernter Schauspieler die Charaktere auf der Bühne perfekt vermittelt, wenn er in Sekundenschnelle in die  Rollen der beteiligten Personen schlüpft. Weil er weiter völlig angstfrei ist, sich zu blamieren, werden gerade die eigenen Schwächen überzeugend dargestellt und das Publikum quittiert das immer wieder mit lautem Gelächter und Zwischenapplaus.

So ist auch der zweite Kabarettabend gelungen, den die Wirtsleute des Restaurants “Zum Kamin” im Wössner Gemeindesaal veranstalteten.

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