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Unterwössen | Sucht- und Drogenprävention – Vortrag an der Volksschule

Autor +Ludwig Flug
Okt 13th, 2010 | by | Rubrik: Nachlese, Unterwössen
Sucht und Drogenprävention Vortrag von Siegfried Weidacher an der Volksschule Unterwössen.

Polizeihauptmeister Siegfried Weidacher (stehend) ist Jugendbeauftragter bei der Polizeiinspektion Grassau. Auf Einladung der Volksschule Unterwössen, vermittelte er einer Zuschauerschar aus überwiegend Müttern aktuelle Informationen und Anleitungen zur Sucht- und Drogenprävention.

Alkohol & Nikotin rafft die halbe Menscheit hin!

Unterwössen. Auf Einladung der Volksschule Unterwössen hielt der Jugendbeauftragte der Polizeiinspektion Grassau, Polizeihauptmeister Siegfried Weidacher, in der Schulaula einen Vortrag über Drogen- und Suchtprävention. Rektor Otto Manzenberger begrüßte zu dieser ersten Veranstaltung im Schuljahr 2010/2011 gut 50 Interessierte, weit überwiegend Frauen. Dabei blieb offen, ob in diesem Verhältnis der Geschlechter die herkömmliche Rollenverteilung oder die Angst der Männer vor der Auseinandersetzung mit der eigenen Gesundheitsvorsorge abzulesen war.

Nikotin

Denn Siegfried Weidacher machte mit erschreckenden Zahlen, vor allem auch Sterblichkeitszahlen, den Einfluss von legalen und illegalen Drogen auf das Leben aller, alt wie jung, deutlich. Dabei ragt die legale Droge Nikotin deutlich aus allen Zahlen heraus. Weidacher warnte eindringlich vor dessen Gefahren gerade auch für den jungen Menschen mit seinem Körper im Wachstum. Das immer frühere Einstiegsalter begünstige auch die spätere Abhängigkeit. Jede Sucht nehme ihren Weg über vier Phasen.

  1. Was mit einem Genuss ab und an beginne,
  2. führe zum Missbrauch, wenn nämlich das Suchmittel vorrangig nur wegen seiner Wirkung genommen, die Kontrolle über den Konsum verloren gehe.
  3. Der Missbrauch führe zur Gewöhnung, wenn der Konsum zur Lösung der Probleme der eigenen Lebenssituation dient.
  4. Die Abhängigkeit sei dann erreicht, wenn der Mensch keine Wahl mehr habe, nicht mehr anders könne, als das Suchtmittel ständig zu konsumieren.

Deshalb verlege das junge Eintrittsalter den Beginn einer solchen “Karriere” weit vor. So gebe es erheblich mehr Zeit die letzte Stufe, die Abhängigkeit, zu erreichen. Schon heute sei gerade auch die Sucht bei den Senioren ein ernstes gesellschaftliches Problem.

Sisha – Wasserpfeife

Weidacher räumte auch gleich mit dem Irrglauben auf, das derzeit moderne Rauchen der Sisha, der Wasserpfeife, sei das harmlosere Rauchen. Deren Tabak weise in fast allen Merkmalen höher Schadstoffe auf als die Zigarette. Der gekühlte “Genuss” erreiche auch die tieferen Lungenregionen.

Alkohol

Die Verharmlosung der Droge Alkohol, zu der insbesondere die Bevölkerung im Bundesland Bayern neige, sei durch nichts gerechtfertigt. Gerade die Toleranz gegenüber dem Trinken mache so Dinge wie das Komatrinken der Jugendlichen, nein, oft noch Kinder möglich. Und man solle als Erwachsener nicht einfach über den besoffenen Jugendlichen amüsiert hinweg schauen. Schicksale im Suff, die man als Zeitungsleser gern mit einem “dumm gelaufen” abtut, stellten in der Einzelfallbetrachtung – wie Weidacher an einem Beispiel eines jungen Mädchens eindrucksvoll verdeutlichte – echte menschliche, lebenslange Dramen dar. Wie nahe dran wir alle am Problem des Alkoholmissbrauches unter Jugendlichen sind, belegte Weidacher mit Fotos aus der Ausnüchterungsstation des Chiemsee Reggae Festivals und mit Zahlen aus dem Verkehrsunfallgeschehen in der Region.

Alcopops

Nachdrücklich warnte Weidacher vor den Alkopops, Alkoholmischgetränken, bei denen der für Kinder und Jugendliche erst einmal negative Geschmack des vermeintlich geringen Alkoholanteils mit süßen und anderen Geschmacksstoffen überdeckt sei. Es sei kein Problem und viel geübte Praxis sich mit diesen Getränken Alkoholmengen bis zu einem ordentlichen Rausch zuzuführen. Immerhin enthielten verschiedene Sorten in der Flasche einen Alkoholanteil, der zwei Gläsern Tequila entspreche.

Trinkverhalten

Der Umstand, dass Vorgenerationen in der Jugend gegen das Rauch- und Alkoholverbot heimlich im Wald verstießen, jetzt aber in aller Öffentlichkeit und ungeniert, mache große Sorgen. Der immer frühere Einstieg zeige bereits jetzt äußerst negative gesellschaftliche Folgen. Früher habe das Einstiegsalter bei 14 Jahren gelegen heute bereits bei 11 Jahren. Ein Ende des Trends sei nicht abzusehen.

Bevölkerungsproblem

Und auch die Erwachsenen sollten sich darüber klar sein. Mehr als ein Glas Bier oder Wein am Tag sei gesundheitsschädlich. Die oft geübten drei Halben am Tag stellten schon einen Alkoholmissbrauch dar. Und auch der tägliche Alkoholkonsum gehöre dazu. Zwei alkoholfreie Tage in der Woche sollten es eigentlich immer sein.

Was man gegen all die negativen Entwicklungen tun könne? Augen auf und auch einmal Zivilcourage zeigen! Da helfe in überschaubaren Situationen schon einmal das Ansprechen des Jugendlichen. In Situationen mit möglichen Risiken gäbe es nur eines: die Polizei. Für manchen möge es lächerlich erscheinen, wenn die Polizei ausrücke, um gegen Alkohol trinkende Jugendliche auf Kinderspielplätzen vorzugehen. Aber die Polizei kenne die Gefahren und schreite ein. Vor allem dann, wenn sie von der Abgabe von Alkohol an Jugendliche in Geschäften, Lokalen usw. erfahre. Da sei die Polizei auch für jeden Hinweis aus der Bevölkerung dankbar. So etwas müsse energisch bekämpft werden und teilweise sehe das Gesetz drakonische Strafen für so etwas vor.

Illegale Drogen

Im Folgenden gab Weidacher einen Überblick über den Bereich der illegalen Drogen, stellte diese vor, erläuterte die Wirkungsweise und die Gefahren.

GHB – Vergewaltigungsdroge

Besondere Aufmerksamkeit lenkte er auf GHB, sogenannte KO-Tropfen, bekannt auch als Vergewaltigungsdroge. Dieser einfach zu beziehenden und herzustellende Stoff habe zwar auch einige vom Konsumenten gewünschte Drogenwirkungen, vor allem aber führe er in höhere Dosierung zu Bewusstseinsstörungen bis hin zu einer Art narkotischem Schlaf. Danach könne sich der so Betäubte an nichts mehr erinnern. Das Zeug ist völlig geschmacks- und geruchslos und wird immer häufig Personen unbemerkt z.B. im Getränk verabreicht, um deren Zustand der Bewusstlosigkeit zu Sexualdelikten zu missbrauchen. Nach 24 Stunden ist GHB nicht mehr im Blut nachzuweisen.

Es gelte daher auf die Jugendlichen hinzuwirken und die Gefahren darzustellen. Nie ein Getränk aus unbekannter Quelle akzeptieren, nie ein Getränk unbeaufsichtigt lassen. Nicht allein ausgehen und mit dem man ausgegangen ist, mit dem sollte man auch wieder gehen.

Zivilcourage – Verharmlosung

In der anschließenden Diskussion nahm das Thema der Zivilcourage größeren Raum. Die Mütter drückten ihr Unverständnis für die Verharmlosung von Drogen bei Kindern und Jugendlichen aus. Rektor Manzenberger und Lehrer Josef Parzinger verwiesen aber auch auf die Verantwortung der Eltern bei der Drogenbekämpfung. Zu Hause und bei den eigenen Kindern sollte nicht toleriert werden, was in der Schule verboten ist.

www.vs-unterwoessen.de

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