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Unterwössen | Tag des offenen Treibhauses beim Orchideenzüchter Franz Glanz in 2011

Autor +Ludwig Flug
Jul 13th, 2011 | by | Rubrik: Nachlese, Unterwössen
Mit Franz Glanz in seinen Orchideen-Treibhäusern

Erkennbar nicht jede von den Orchideenliebhabern vorgestellte Behandlungsmethode überzeugte den Züchter Franz Glanz (links). In der Summe überraschte ihn aber die Fachkunde der Besucher in seinem Treibhaus.

Unterwössen. Der Orchideen-Experte Franz Glanz war begeistert vom Engagement und der Sachkunde der ca. 25 Orchideen-Liebhaber, die die Gelegenheit ergriffen hatten, seine Orchideentreibhäuser zu besichtigen und von ihm mehr über sein Hobby zu erfahren. Was demgegenüber seine Zuhörer von seinen Ausführungen und vielen Antworten hielten, zeigte sich im Abschluss. Ungefähr die Hälfte der da überaus beeindruckten Neugierigen bedankte sich persönlich bei ihm, teils sogar mit Handschlag. “Da” so der überraschte Franz Glanz “macht jede Minute Spaß, den Leuten zu erklären und Fragen zu beantworten!”

Immerhin ist so viel Engagement der Zuhörer nicht mehr alltäglich. Das Hobby, dass er schon in seiner Jugend begonnen hatte, sei damals  so Franz Glanz “ganz rar, teuer und exklusiv gewesen. Heute ist es genau umgekehrt.” Für Ochideen gebe es einen großen, industriellen Markt, in dem oft mehr die Marketing-Methoden, als die Liebe zur Pflanze im Vordergrund stünden. Wenn jetzt überall Vanillepflanzen, auch eine Orchideenart, zum Verkauf angeboten würden, sei die Hoffnung auf die zugegeben wunderschöne Blüte vergebens. Die Klimaanforderungen dieser Pflanze seien im heimischen Wohnzimmer nicht darzustellen. Seine Zweifel am eigenen Hobby vor diesem Massenmarkt habe er aber überwunden. Für ihn stehe nach wie vor die Schönheit der einzelnen Pflanze, die Liebe zu ihr und die Zucht von Qualitätspflanzen unter dem Motto “Klasse statt Masse” im Vordergrund.

Dass seine Liebe manchmal auf eine harte Probe gestellt sei, läge nicht nur an den langen Aufzuchtzeiten von mehreren Jahren bis hin zu 10 Jahren bei manchen Frauenschuhsorten. Erst dann offenbarten die ihre ganze Schönheit. Auf die Probe würde die Liebe auch gestellt, wenn man mit einer Orchideensorte über acht Stunden auf dem Weg zur Ausstellung in das eigene Fahrzeug eingepfercht wäre. Die – Franz Glanz zeigte die prachtvolle Pflanze vor – sondere, um ihren Bestäuber, eine Aasfliege, anzulocken, einen solchen Gestank ab, dass sie in Wohnräumen einfach nicht zu halten sei.

Der Auslöser für die Orchideen-Industrie sei die Entwicklung gewesen, dass man Orchideen heute nicht mehr von ihren natürlichen Standorten importieren muss. Orchideen werden heute von den Züchtern, wie auch ihm, unter sterilen Bedingungen im Labor geklont und dann unter sorgsamer Pflanzenhygiene bis zur ersten Blüte aufgezogen.

Das habe die Naturschutzprobleme deutlich verlagert. Heute sei das Hauptproblem, dass der oft sehr spezielle Lebensraum der Orchideen immer noch vernichtet werde. Ein Regenwald, der sich über mehrere tausend Jahre entwickelt habe und dann gerodet werde, lasse sich nie mehr wieder bringen. Orchideenarten, die es nur an einem Standort auf der Welt gibt, gehen so verloren.

Einen großen Teil seines Vortrages setzte sich Franz Glanz anhand hergezeigter Exemplare mit den verschiedenen Orchideenfamilien auseinander. Er erläuterte deren besonderen Bedürfnisse und gab Pflegehinweise. Da setzten dann auch die nicht enden wollenden Fachfragen der Besucher an, die in einem Fall sogar ihren Pflanzenliebling mitgebracht hatten, um sich beraten zu lassen. Franz Glanz wurde nicht müde, alle Fragen zu beantworten. Und bei seiner ein oder anderen Antwort, gab es schon ein Überraschungs-Oh von den Zuhörern für seinen Tipp.

Am Ende gab es dann auch die Antwort auf die Frage, warum sich jemand dieses  Hobby sucht, dass so unendliche Geduld verlangt. Es ist nicht nur die Liebe zu den Pflanzen, gab Franz Glanz zu. Es sind auch die unvergleichlichen Reisen an Orchideenstandorte in aller Welt, an die man nur unter besonderen Vorkehrungen, nie aber als Pauschaltourist gelangt. Es sei einzigartig dort die  Natur zu erfahren. Aber auch wer dem Hobby nicht in so einem Umfang verfällt wie er hat Glück, meinte Franz Glanz, denn immerhin hält auch die heimische Natur im Achental 40 Orchideensorten für den aufmerksamen Naturbeobachter bereit.

In den Treibhäusern des Franz Glanz, weltbekannter Orchideenzüchter

In den Treibhäusern des Franz Glanz, weltbekannter Orchideenzüchter

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