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Unterwössen | Tränen und schallendes Gelächter beim Starkbierfest der Wössner Trachtler

Autor +Ludwig Flug
Mrz 28th, 2011 | by | Rubrik: lead, Nachlese, Unterwössen
Der Saal zum Starkbierfest des Trachtenvereins D'Achentaler in Unterwössen

Der Saal zum Starkbierfest des Trachtenvereins D'Achentaler in Unterwössen

Unterwössen. Ein urgemütliches Starkbierfest gab es im Unterwössner Gemeindesaal. Reichlich vor Veranstaltungsbeginn, waren die Tische besetzt und neue Gäste fanden auf schnell herbei geschafften Garnituren Platz. Richtig gemütlich war es. Dafür sorgten bis spät in die Nacht die Original Bergkristallbuam mit ihrer Musik. Doch die Höhepunkte mit viel Tränen und Gelächter setzten der Einakter “Die dappige Verwandtschaft” und die Starkbierfestrede von Bruder Andreas Steiner bei dieser Veranstaltung des Trachtenvereins D’Achentaler.

“Die dappige Verwandtschaft”

Der Einakter "Die dappige Verwandtschaft"

In Tränen aufgelöst ist Gabi Halberger im Einakter "Die dappige Verwandtschaft" des Theatervereins Wössen. Bruder Peter Haslreiter will ihr den Hochzeiter ausreden. Auch Vater Heinrich Sollacher sieht die Verbindung der Tochter mit Sorge.

Tränen gab es überreich. Die Gabi Haslberger weinte beim Einakter des Wössner Theatervereins “Die dappige Verwandtschaft” von Sepp Faltermaier in einer Tour, weil ihr die ganze Familie den Hochzeiter Peter Steiner nicht leidete, wo Sie ihn doch so liebte. Doch der galt als Hallodri. Als der Vater Heinrich Sollacher, von der Ehefrau Christa Gasteiger zum Machtwort aufgerufen, mit einem donnernden Faustschlag auf den Tisch und einer gewaltigen Zornesrede die Gefühle der Tochter doch nicht ändern konnte, verfiel der Haslreiter Peter auf eine “glänzende” Idee. Die Familie sollte spielen, sie sei irre. Das würde den Bräutigam schon abschrecken. Dabei fragte sich der lebenskluge Knecht Robert Rieger, was es da in dieser ohnehin ausgefallenen Familie zu spielen gäbe. Das was dann kam, überraschte aber ihn und das Publikum: Der Familienvater als Menschenfresser, die Ehefrau im Autofahrerwahn und der Sohn immer am Rande lebensgefährlicher Experimente. Das schlug auch den Hochzeiter in die Flucht. Ein Fehler, wie Besucher Peter Steiner, feststellte, der die Lebensverhältnisse im Ort des Bräutigams bestens kannte. Der Hochzeiter war dort der vielversprechende Erbe des größten Hofes. Der Hallodri war ein namensgleicher Anderer. Da musste die Familie schon zu Kreuze kriechen, der Gabi ihr Glück nicht zu verbauen. Die Schauspieler gingen erkennbar in ihren Rollen auf und das Publikum hatte einen Riesenspaß.

Die Fastenansprache des Bruders Andreas Steiner

Dann später am Abend gab es die lange und mit Spannung erwartete Fastenpredigt von Bruder Andreas Steiner. Zufrieden blickte er über die bunte Mischung gespannter Gesichter von Bürgermeistern, Gemeinderäten, Parteipolitkern und Honoratioren und legte dann nach einem kräftigen Schluck Bier los.

Bruder Andreas Steiner derbleckte Politiker und Honoratioren in seiner Starkbierfestansprache

Bruder Andreas Steiner derbleckte Politiker und Honoratioren in seiner Starkbierfestansprache

Zunächst stellte er den rücksichtsvollen Umgang der beiden Bürgermeister Hans Haslreiter und Barthl Irlinger untereinander heraus. In Wössen dankt der Erste Bürgermeister in einer Rede für Leistungen in der Gemeinde. Der zweite Bürgermeister, dankt dann dem Ersten Bürgermeister für den Dank und dankt dann denen, die der Erste Bürgermeister vergessen hat. Der wiederum dankt dann dem Zweiten für die Erinnerung und für dessen Rede.

Das Grundstück in der Dorfmitte gehört den Wössnern allen, jedem. Nein, eigentlich gehört es ja den Bankern, weil 1,3 Millionen Schulden darauf liegen. 1,3 Millionen seien aber eigentlich nicht viel, sähe man das im Verhältnis zu den Schulden der Bundesrepublik nach der Finanzkrise. Dabei sei das mit der unterschiedlichen Sichtweise durchaus klar. Wenn der Chef des Sportvereins Unterwössen 30 kg abnähme, sähe man dem das gar nicht an. Würde die FDP-Vorsitzende die 30 kg abnehmen, wäre sie gar nicht mehr da.

Die Unterwössner Gemeinderäte, seien die Träger der Gemeinde, einer träger als der andere. Immerhin hätten die aber mit ihrer Entscheidung dazu geführt, dass in Unterwössen jetzt die bundesweit höchste Loipenspurdichte von 1 Loipei (Loipei sei die deutsche Industrienorm für Loipenspurdichte) gemessen werde. Im Vergleich bringe es Reit im Winkl mit Winterwanderwegepflegegerät – so heiße das hier im Tal – auf der Winklmoos und dem nächsten im Dorf auf allenfalls 0,8 Loipei.

Der Gemeinderat sei nicht nur verantwortlich für die Loipei. Der sparsame Gemeinderat und der Hallenbadverein hätten vor längerer Zeit ein Blockheizkraftwerk ins Hallenbad eingebaut um zu sparen. Und jetzt hat der Gemeinderat noch einmal 30.000 Euro zugesagt, damit die beim Sparen helfen. Vorbildlich!

Bruder Andreas kam auch auf die zahlreichen Wössner Parteien zu sprechen, darunter auch die Freie Wählergemeinschaft Wössen e.V. zu sprechen. Das e.V. stehe dort für “ein Versuch”: Diese Parteien wiesen teilweise zweistellige Prozentzuwächse aus. Trotzdem bleibe es dabei, dass die bei großen Parteiveranstaltungen keinen größeren Saal, sondern nur einen größeren Tisch benötigen.

Die demographische Entwicklung in Unterwössen sehe nicht gut aus, so Bruder Andreas. Immer mehr Wössner Senioren überlegten derzeit, ob sie sich beim Gassner, dem Seniorenheim, einkaufen oder gleich zur CSU gehen sollten. Die Verantwortung für die zukünftige Entwicklung bei jetzt nur 1,3 Kind pro Frau sähe er, der Bruder Andreas, aber eindeutig beim Wössner E-Werk. Wenn die Geburtenrate früher, als das Fernsehen ab Mitternacht nur noch das Testbild sendete, in Ordnung gewesen war, müsse das E-Werk heute einfach um Mitternacht den Strom abschalten.

Dass die Unterwössner Feuerwehr sich mit der Anschaffung eines neuen Löschfahrzeuges befasse habe guten Grund. Als sie jetzt zu einem Brand nach Oberwössen ausrücken sollte, sei die Fahrzeugbatterie am alten Löschfahrzeug leer. Doch Feuerwehr wäre nicht Feuerwehr, wenn sie da nicht angepackt hätte. So ist sie dann doch noch ausgerückt. Zwar nicht nach Oberwössen, aber 14 Tage später nach Marquartstein!”

Das bundesweite Thema Doktorarbeit habe auch in Unterwössen das Auge auf den Doktortitel eines Gemeinderates gelenkt. Der Blick habe ergeben, dass der geschrieben habe “Auswirkungen der Gemeinderatssitzung auf die Darmflora”, Untertitel “Darf man Blähungen im Gemeinderat freien Lauf lassen?”

Den Bauern dankte er für die alleweil gute Landluft. Das wäre schon beinahe Doping, wenn sie mit ihren Güllewagen die Hufeisenwerfer umrundeten.

Auch der Chiemkies-Berichterstatter hat sein Fett abbekommen. Gegen norddeutsche Ortsberichterstatter sei ja im Prinzip nichts zu sagen. Nur wenn sie im Bericht aus einem Verdienstorden “Silberne Gams” eine “Silberne Gans” machten, käme das der Abstufung des Bundesverdienstordens auf einen Karnevalsorden gleich.

Die Rede und Bruder Andreas kamen beim Publikum gut an. Immer wieder gab es schallendes Gelächter – auch von den Derbleckten. Doch auch danach war lange nicht Schluss und das süffige Starkbier und die Original Bergkristall Buam hielten die Wössner und noch lange auf dieser gemütlichen humorvollen bayerischen Veranstaltung.

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