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Unterwössen | Volksschul-Rektor Biersack kommt in die Wechseljahre und geht nach Grassau

Autor +Ludwig Flug
Jul 31st, 2010 | by | Rubrik: Nachlese, Unterwössen
Bild der Volksschule Unterwössen, von Schülern gemalt, dem Direktor Biersack zum Abschied

Bild der Volksschule Unterwössen, von Schülern gemalt, dem Direktor Biersack zum Abschied

Unterwössen. Unter dem Motto “Wechseljahre” stand die Verabschiedung des Rektors Klaus Biersack von der Volksschule Unterwössen in der Turnhalle Unterwössen. Doch wechselt der nicht zu seiner Leidenschaft, dem Motorrennsport. Nach – wie Biersack sagt – den schönsten Jahren seines Lehrerdaseins in Unterwössen bleibt er dem Tal und seinen Schülern als Direktor des neuen Mittelschulverbundes für das Achental in Grassau auch zukünftig verbunden.

Über 200 Schüler, das Lehrerkollegium, ehemalige Kollegen, die Honoratioren aus den Orten Unterwössen, Reit im Winkl und Schleching waren zur Abschiedsfeier gekommen.

Das Kinderorchester, das aus einer von Biersack mit geförderten Initiative “Klasse musiziert” entstanden ist, stimmte auf die Feier ein. Standesgemäß fuhr dann Rektor Biersack unter Motorengedröhn aus den Lautsprechern auf einem Bobby-Car in die Halle und drehte unter heftigem Beifall und Gelächter noch zwei Extra-Runden.

Konrektor Manzenberger verabschiedet den Direktor der Volksschule Klaus Biersack mit einer humorigen Rede.

Viel Gelächter gab es bei der Rede des Kollegen, Freundes und Nachfolgers Otto Manzenberger. Auch der scheidende Rektor der Volksschule Unterwössen Klaus Biersack (erste Reihe, links, daneben Ehefrau und Zwillingsbruder) lachte kräftig mit.

Empfangen wurde er vom engen Mitarbeiter, Freund und auch Nachfolger, dem derzeitigen Konrektor  Otto Manzenberger. Der ließ in seiner humorvollen Rede die acht Jahre Biersacks an der Volksschule Revue passieren. Der Mann Biersack, der sich schon in der Schule Niedernfels einen Namen als Manager gemacht hatte, wurde buchstäblich in Unterwössen ins kalte Wasser geworfen, denn just zum Amtsantritt ließ das Hochwasser 2002 das Untergeschoss der Schule absaufen. Da habe es nicht lange gedauert, dass sich der neue Mann zu Recht gefunden habe. In Folge habe er sich als äußerst umtriebig erwiesen und Biersack sei für alle, immer ein Rektor zum Anfassen gewesen. Die Schüler liebten ihn für seinen Humor, seine Musikalität, seine Sachkunde aber vor allem seine Empathie, die Kunst sich in den Gegenüber hinein zu versetzen und mit ihm zu fühlen. Denn für Biersack habe immer die Hauptsache im Mittelpunkt seines Wirkens gestanden und das sind in einer Schule nun einmal die Schüler. Gern erinnere er sich, Manzenberger, an die Fußballturniere mit den Schülern und den denkwürdigen einmaligen 1. Platz der Lehrer in 2003. Da seien die Medienpreise, die die Schule errungen habe, das Kunstprojekt auf dem Schulvorplatz mit Andreas Kuhnlein. In 2005 beim großen Hochwasser habe Biersack mit den Hauptschülern eine Hilfe für geschädigte Unterwössner Haushalte geleistet. Im unabhängigen Bewertungsverfahren habe die Volksschule Unterwössen Bestnoten erhalten. 2008 sei ein großes Projekt Afrika an der Schule veranstaltet worden. 2009 standen die Feierlichkeiten zum 50-jährigen der Schule an und der Förderverein sei gegründet worden und 2010 seien jetzt Meilensteine für den Umbau des Schulsystems im Achental zu einem Mittelschulverbund gesetzt worden.

Der bekennende Motorsportfan Klaus Biersack fährt zu seiner Verabschiedung zu den Festgästen ein.

Der bekennende Motorsportfan Klaus Biersack fährt zu seiner Verabschiedung zu den Festgästen ein

Die Volksschule Unterwössen sei jetzt als einzige Ihrer Art in Bayern für ein europäisches Schulprojekt zur Völkerverständigung ausgewählt. Rektor Biersack werde sagen, all das habe er nicht zu verantworten, dass sei dem überaus engagierten Schulkollegium und kompetenten Ansprechpartnern außerhalb der Schule zu danken. Damit habe er zwar recht, schmunzelte Manzenberger, aber ohne diesen Ideengeber Biersack, den unermüdlichen Rackerer, den angesehenen Repräsentanten nach außen, den freundschaftlichen Kollegen und kompetenten Lehrer nach innen, wäre das nie so zu erreichen gewesen. Manzenberger dankte dem scheidenden Rektor für eine “ungemein schöne Zeit”.

Die Klassen 5a und b brachten ein grooviges Tanzstück mit. Die Schüler überreichten dem Klaus Biersack ein großes Bild von seiner Schule mit einem lieben Dankeschön von der Siebtklässlerin Maria Zaiser, “… und danke für eine schöne Zeit und die Treue zu Unterwössen und alles!” Klaus Biersack versprach, dies an einem besonderen Ehrenplatz aufzuhängen. Von den Schülern der 7. Klasse gab es eine Fotocollage mit Rennsportfotos.

Der Unterwössener Bürgermeister Hans Haslreiter stellte die Volksschule als eine Vorzeigeschule dar, die vom Stil und Geist des Klaus Biersack geprägt sei. Auch er blickte auf gemeinsame Jahre zurück. Besonders habe er sich 2003 über die gemeinsam erarbeitete Lösung eines Schulvertrages mit den Nachbargemeinden Schleching und Reit im Winkl gefreut, die die Hauptschule bis heute gesichert habe, und jetzt sehe er in der wieder gemeinsamen Lösung eines Schulverbandes Achental eine neue Zukunftssicherung für die Achental-Schüler. Absolute Kompetenz, Liberalität, Kollegialität, auch Korrektheit seien Markenzeichen des Klaus Biersack. Entsprechend sei die Zusammenarbeit der Gemeinde mit der Schule immer vertrauensvoll und vorbildlich gewesen. Fundierte Argumente und Mitgefühl zum Wohle der Schüler habe Klaus Biersack genutzt. Zusammen mit der jugendbeauftragten der Gemeinde und Vorsitzenden des Wössner Regenbogens Adelheid Meirer überreichte er ein Geschenk. Adelheid Meirer hatte außerdem symbolisch Stock, Hut und Brotzeit für den scheidenden Direktor mitgebracht.

Auch die kleinsten Schüler aus der 1. Klasse dankten mit einem Singspiel, bevor ein paar Buben zünftig aufplattelten. Die Elternbeiratsvorsitzende Sabine Meier überbrachte Dank und lobende Worte der Elternschaft. Sie freue sich aber jetzt auch über die kontinuierlich Fortführung und die Arbeit mit dem neuen Rektor Otto Manzenberger. Ein Gutschein für einen Motorflug solle dem scheidenden Rektor noch einmal einen Blick auf all seine Wirkungsstätten im Achental gewähren. Einen Haufen Seifenblasen, eine Wolke, Blume und viele symbolische Geschenke bis zum ins Ohr geflüsterten Schülerwunsch überbrachten in einem Singspiel die Klassen 2a und b.. Die Schülersprecher erinnerten dankbar an die gemeinsame Zeit mit Ihrem Rektor.

Einen Blick aus dem gemeinsamen Alltag von Lehrer Klaus Biersack und der ausscheidenden Klasse 9 brachte der von den Schülern gespielte Sketch rund um die Handygewohnheiten eines Schuldirektors.

Zum Abschluss sprach Klaus Biersack selbst. Eigentlich habe er immer ein ungutes Gefühl bei so vielen lobenden Worten und hätte eigentlich gern seinen Zwillingsbruder vorgeschickt. Aber seine Zeit an dieser Schule sei so schön gewesen, dass er sich damit gern auseinandersetze. Mit ganz wenigen Ausnahmen sei er jeden Morgen gern in seine Schule gegangen. Die Schüler hier im Achental seien eben anders als anderswo und hätten ihm seine Arbeit äußerst angenehm gemacht. Er habe das Verhältnis zu ihnen immer als ein sehr Besonderes empfunden.

Aber auch die Kollegen in Unterwössen werde er vermissen. Ein Mannschaft, die wie selten harmoniere und einen enormen Tatendrang besitze. Er werde die vielen Gespräche mit Ihnen und vor  allem seinen Konrektor heftig vermissen. Aber auch das Drumherum, wie die Zusammenarbeit mit der Gemeinde und Menschen wie einem Ideensprudel Adelheid Meirer habe ihm die Arbeit immer besonders wertvoll gemacht. Rückblickend seien seine acht Jahre in Unterwössen die schönsten seiner Lehrerlaufbahn gewesen und das Scheiden sei ihm nur dadurch etwas erleichtert, dass er auch Zukunft in engem Kontakt zu seiner alten Wirkungsstätte und den Menschen dort bleiben werde.

Warum er überhaupt gehe? Da sage er mit Beus “Die Ursache liegt in der Zukunft!”. Die neuen Zeiten und die Veränderungen im Schulsystem schüfen neue Herausforderungen, denen er sich gern noch einmal stellen würde. Jetzt sei noch die Zeit dafür, sich zu verändern.

Mit einem gemeinsamen Lied aller schloss eine harmonische wehmütige Veranstaltung. Die harten Prüfungen für Klaus Biersack kamen anschließend, als er sich im gemütlichen Teil den Aufgaben der Lehrer stellen und sich vor dem königlich bayerischen Amtsgericht seiner Lehrer verantworten musste. Lohn der durchlittenen Anstrengungen und Ängste? Der Motorsportbegeisterte Klaus Biersack freute sich sichtlich über einen Fahrertraininggutschein, den ihm die Kollegen zum Abschied schenkten.

Direktor Biersack vor dem Gericht seiner LehrerLehrer unter sich! Noch lacht der arme Sünder Klaus Biersack über den Richtertisch, doch was diese Zeugin dem strengen Richter Josef Parzinger (im Vordergrund) und dem Staatsanwalt Otto Manzenberger im gemütlichen Teil der Verabschiedung zu berichten wusste, ließ das böse Ende für den Angeklagten Biersack erahnen. Zuvor hatte Richter Parzinger schon zwei Strafen gegen den Angeklagten verhängen müssen, weil der den Richter auf die Frage nach dem Namen immer wieder als “Biersack” tituliert hatte.

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