Unterwössen | Werner Schmidbauer und Martin Kälberer auf Momentnsammlertour
Dez 20th, 2010 | by lukk | Rubrik: Nachlese, UnterwössenUnterwössen. Es war wie im Fernsehen, nur viel schöner und zum Greifen nah. Mit dem Konzert des Duo Werner Schmidbauer und Martin Kälberer hatte der Wössner Regenbogen sich und den Unterwössnern ein großes Geschenk zum 15-jährigen Bestehen des Vereins gemacht.
Und der Sänger und Gitarrist Werner Schmidbauer kam im völlig ausverkauften Wössner Gemeindesaal genauso sympathisch herüber wie in seinen Fernsehsendungen “aufgespuit” und “Gipfeltreffen”. Sein eher wortkarger langjähriger Wegbegleiter machte seinem Namen als Instrumentenfreak und Multiinstrumentalist gleich im ersten Stück “Gib mir Zeit” alle Ehre. Sein Vibrandoneon sollte nicht die einzige Überraschung am Abend sein.
Beide musizieren sehr konzentriert und feinfühlig. Das müssen sie auch, denn die zarten, gefühlvollen oft selbst komponierten Lieder mit sauberen schlichten Melodien verzeihen keine Fehler. Aber da saß jeder Ton. Wunderbare Arrangements unterlegte Martin Kälberer und unterstrich den Gesang. Der Auftritt war Bestandteil der Momentnsammlertour mit der die beiden Musiker seit Ihrer neuen CD Momentnsammler unterwegs sind. Schöne, unvergessliche Momente sammeln, das ist das Thema der Platte und der Tour. Momente, wie der auf den Gipfeln des Inntals in der untergehenden Abendsonne. Das ist das, was das Leben des Sängers Werner Schmidbauer ausmacht. Dort fliegt ihm – so sagt er selbst – beim Klimpern – sagt er auch – auf seiner Gitarre Melodie und Text zu, die die Schönheit des Augenblicks dann trefflich einfangen. “Heroben” heißt das Stück dann auf der Bühne und lässt Stimme und Melodie wie in den Bergen hallen. Solch zauberhaften Momenten konnte sich das Publikum nicht verschließen. In dieser Stimmung trafen die Musiker andererseits das Publikum ins Herz, als Schmidbauer und Kälberer Wolfgang Niedeckens Lied über Kindersoldaten und Kinderdramen in Uganda spielten, nicht aber in Kölsch sondern in Bayerisch. Überhaupt waren alle Texte bayerisch, ehrlich, gedankenschwer. Sie konzentrieren sich auf die wirklich wichtigen Dinge des Lebens. Stress, Hetze, Geld und Macht sind den beiden ein Graus. Und sie prangern dies in dem älteren Stück “Zeit der Deppen” an. Wobei sich Werner Schmidbauer einen deutlichen Seitenhieb auf die Aktualität des Themas nicht verkneift. Überhaupt erzählte und beschrieb der Werner viel. Wie bildhaft er der jüngeren Generation das antike Gerät Kassettenrecorder erklärte, war einmalig.
Aber ohne den Mann an seiner Seite, den Martin Kälberer, wäre das Konzert nur halb so schön gewesen. Das Einzigartige am Gesang und Gitarrenspiel des Werner Schmidbauer trat nur deshalb so schön ans Licht, weil es der Martin Kälberer mit vielen Instrumenten verfeinerte, betonte, unterlegte. Auch wenn er auf der Bühne eher sparsam agierte, das Publikum hatte den oft witzig grimassierenden Martin Kälberer schnell ins Herz geschlossen und bestaunte ihn ungläubig.
Zum Beispiel als er das Hang spielte, ein vor nicht einmal 10 Jahren erst erfundenes Schweizer Instrument, das im Klang den Steeltrommeln nahe kommt. Das Hang – das Berner Wort für “Hand” – wird aber nicht kräftig geschlagen, sondern berührt, angetippt, angeregt, leicht angeschlagen, gestreichelt und gezupft. Sehr viel Spielraum also für den gefühlvollen Martin Kälberer. Das Stück hieß Südhang und war eines der letzten frei lebenden Lieder – wie Schmidbauer schilderte -, das jedes Mal anders daher komme. Oder dann stellte Martin Kälberer live ein kleines Orchester zusammen, als er nacheinander verschiedene Percussion-Instrumente spielte. Die zuvor gespielten Instrumente nahm er unter dem Spielen auf und spielte sie sofort zum gerade aktuellen Instrument als Hintergrund ein. Nur dank seiner äußersten Präzision kam dabei ein großes Klanggebilde zustande. Und dem Schmidbauer stahl er völlig die Show, als er mit Mund, Nase, Rachen und trommelnden Händen und Fingern Perkussionsinstrumente imitierte.
Es war ein wunderschönes Konzert mit schönen geraden Texten in gutem feinfühligen Gesang, sauberem Gitarrenspiel, schönen Melodien und zauberhaften Arrangements, die ein völlig begeistertes Publikum verzauberten.
























































